Heft 214 Juli 2008
Werbung




Urlaub

Couchsurfen

Die Welt zu sich nach Hause holen

Sina Emmrich schwört aufs Couchsurfen
Beim Urlaub schwört Sina Emmrich aufs Couchsurfen.

Raus in die weite Welt, Land und Leute kennen lernen. Davon wird bei der Urlaubsplanung oft geträumt um dann doch wieder in einer überfüllten Touristen-Anlage zu landen. Weil’s günstiger ist, wie viele meinen. Land und Leute lassen sich so höchstens oberflächlich kennen lernen.

Wer nach Möglichkeiten sucht, die Menschen anderer Länder wirklich zu erleben und Ecken der Welt zu sehen, die in keinem Reiseführer stehen, wird unter www.couchsurfing.com fündig. Hier sind rund 585.000 Menschen aus 230 Ländern dieser Erde registriert, die Gästen ihre Couch für übernachtungen zur Verfügung stellen und im Gegenzug nach übernachtungsmöglichkeiten suchen. Im eigenen Land aber auch in der Ferne.

Problemlose Abwicklung


Eine dieser Couchsurferinnen ist die Mainzerin Sina Emrich (siehe Foto). Seit eineinhalb Jahren nutzen sie und ihr Ehemann Dennis dieses Angebot und haben bis jetzt 20 Leute aus Australien, Kanada, Brasilien und Litauen bei sich zu Hause aufgenommen. Die Abwicklung läuft problemlos. Wer eine Bleibe sucht, gibt den gewünschten Zielort auf der Plattform ein, schaut sich die Profile der dort aktiven Couchsurfer an und nimmt per Mail Kontakt auf. »Ich entscheide dann, ob und wann ich jemanden aufnehme«, so Emrich. Eine Verpflichtung, Leute aufzunehmen, gibt es nicht. Genauso läuft es auch, wenn sie selbst eine Couch sucht, nur andersrum.

Die Beiden nehmen bis zu maximal fünf Personen gleichzeitig auf. Bislang waren die Erfahrungen durchweg positiv. Kein Gast benahm sich daneben. Aber viele bringen interessante Geschichten mit. »Ich hatte einmal einen Neuseeländer hier, der von Tokio bis in die Schweiz mit dem Liegefahrrad gefahren ist. Irgendwann hat er es gegen ein Skatebord eingetauscht und will den Rekord im Langstreckenskating brechen. Jetzt ist er irgendwo in den USA«, erzählt die Gastgeberin.

Viele Anfragen in Mainz


Mainz ist, so sagt sie, beliebt unter Couchsurfern. Die Nähe zu den beiden Flughäfen Hahn und Frankfurt macht sich bemerkbar. Sina Emrich wohnte früher in Idar-Oberstein und hatte dort in drei Jahren keine einzige Anfrage.

Couchsurfer sind überwiegend jung aber hin und wieder kommen auch ältere Leute vorbei. Wie neulich: Da meldete sich ein Rentnerpaar aus den USA. Unterm Strich hält Emrich fest: »Wir merken immer, wenn Ryanair ein günstiges Angebot hat, dann steigt die Zahl der Nachfragen.«

Standard gibt es nicht


Einen festen Tagesablauf oder ein festes Programm für die Gäste gibt es nicht. Manchmal machen Emrichs morgens Frühstück, manchmal zeigen sie die Stadt. Allerdings gibt es Gäste, die sich gar nicht verwöhnen lassen wollen, die selbst mit anpacken und zum Beispiel das Mittagessen nach Rezepten aus ihrer Heimat kochen. Da gerieten die Emrichs schon oft ins Schwärmen »vor allem bei den Italienern.« Die Devise lautet: Je unkomplizierter, desto besser. »Dazu gehört auch, dass wir unseren Gästen für die Zeit, die sie hier sind, einen Schlüssel für unsere Wohnung überlassen. Am Anfang ist das sicherlich ein komisches Gefühl. Aber das legt sich ganz schnell. ähnlich wie bei Freunden, die man noch nicht so gut kennt und trotzdem in die Wohnung lässt.«

Auf die Frage, warum sie das macht, lächelt die Schmuckkünstlerin: »So habe ich die Welt bei mir zu Hause. Und es ist schön zu sehen, wie viel Freundlichkeit es in dieser Welt gibt.«

Jetzt geht’s auf Reise


Zu vielen ihren Besuchern hat Sina Emrich noch Kontakt und es entstand in den vergangenen eineinhalb Jahren die eine oder andere Freundschaft. Freundschaften, die jetzt vertieft werden sollen. Die 30-Jährige bricht gemeinsam mit ihrem Mann in diesen Tagen zu einer Weltreise auf. Mindestens zwei Jahre wollen sie unterwegs sein. Unter anderem, um die Leute zu besuchen, die bei ihnen zu Gast waren. Die übernachtungen wollen sie alle über couchsrufer.com organisieren. So sind sie einfach näher dran.

Die Globetrotterin freut sich schon unter anderem auf Neuseeland. »Von dort hatten wir Gäste, die eine Schaffarm besitzen. Die haben uns versprochen, dass wir Schafe scheren dürfen, wenn wir vorbeikommen.« Außerdem warten noch viele andere Highlights auf die Emrichs. Sie treten eine Reise an, um Land und Leute kennen zu lernen. Und zwar auf eine Weise, wie es keine Pau schalreise dieser Welt bieten kann.



Andreas Neubrech