Heft 214 Juli 2008
Werbung




Gärten

Was heisst hier »von wegen«?

Auf den Spuren grüner Kleinode in Mainz


Olivenbaum

Um es gleich klar zu stellen: Wer »von Wegen« spricht, meint damit nicht »von wegen«. Deshalb ist das diesjährige Motto der Veranstaltungsreihe GartenRheinMain »Von Wegen – Manches ginge besser, wenn man mehr ginge« an sich kein Widerspruch und somit keine Ausrede für besonders Antriebsarme. Im Gegenteil, die Kombination des vertrackten Teekesselchens mit dem lebhaften Bonmot des Dichters Johann Gottfried Seume soll Körper und Geist neuen Schwung verleihen und Lust machen auf neue und alte (Bildungs-)Wege in privaten und öffentlichen Gärten, Parks und Friedhöfen unserer Region.

Der Fokus des MAINZERs beschränkt sich auf die wenigen grünen Oasen in unserer Stadt, die im Juli von dem Veranstalter KulturRegion Frankfurt RheinMain, einem überregionalen Verbund verschiedener Städte und Gemeinden zur Förderung der Kultur, angeboten werden. Neu entdecken kann man nicht nur vermeintlich Altbekanntes, wie den Botanischen Garten oder den Rosengarten, sondern man erhält auch Zutritt an Orte, die ansonsten nicht der öffentlichkeit zugänglich sind, wie dem alten jüdischen Friedhof.


Einstimmend: nützliche Gräser


Zur Einstimmung ins grüne Thema kann man sich am 6. Juli im Botanischen Garten unter fachkundiger Führung von Prof. Joachim W. Kadereit »Die Bedeutung der Gräser für den Menschen« erklären lassen. Ihre verschiedenen Vegetationsformen spielen nicht nur ökologisch eine große Rolle, sie sind auch eine wichtige Grundlage für die Entstehung von menschlichen Hochkulturen in allen Teilen der Welt. Im Zuge der Domestikation haben sie sich nämlich zu unseren Getreidesorten und zu Mais, Reis und Hirse entwickelt.


Erbaulich: historische Ruhestätte


der alte jüdische Friedhof

Es ist bereits Gras über ihn gewachsen und im Grunde sieht er aus wie ein verwunschener Garten: der alte jüdische Friedhof in der Mombacher Straße. Mit seiner märchenhaften Ausstrahlung ist er jedoch keinesfalls dem Vergessen anheim gefallen. Wie wichtig die Totenruhe nach dem jüdischen Religionsgesetz ist und wie sie sich dadurch vom Christentum abhebt, wird am 13. Juli von »Geographie für Alle« genauso vorgestellt wie die lange und wechselhafte Geschichte dieses Friedhofs, der erst im letzten Jahr in die Schlagzeilen geriet, als auf einem Nachbargrundstück weitere jüdische Gräber aus dem Mittelalter entdeckt wurden.

Hervorgehoben werden nicht nur die historische und damit auch die kulturelle Bedeutung dieser Ruhestätte, jüdische Grabsteinsymbolik und –formen werden genauso erklärt wie die Regeln hebräischer Begräbnis- und Trauerrituale. Auch die Gräber von historischen Persönlichkeiten sind hier zu finden, deren Andenken auf diesem Beit Chaim, hebräisch für Friedhof oder auch »Haus des Lebens«, gewahrt wird.


Erquicklich: betörende Düfte


Rose

Lebendig und betörend, ja geradezu erquicklich, ist bekanntlich der Duft von Rosen, der edelsten Blume in unseren Gärten. Einen ganzen Rosengarten mit etwa 7.500 Rosenstöcken gibt es im Mainzer Stadtpark, der in seiner ganzen duftenden und farbenprächtigen Vielfalt am 20. Juli von der Gartengestalterin Irmelin Dörnfeld ausführlich vorgestellt wird. Die Führung mit dem Titel »...Wohlgeruch haucht sie den Göttern...« spannt den kulturgeschichtlichen Bogen von der Antike bis zum Heute und klärt auch über die kosmetischen und heilenden Effekte von ätherischem Rosenöl auf, das übrigens teurer ist als Gold.


Erfreulich: Vielseitige Fette


Etwas günstiger, aber nicht minder wertvoll sind andere Pflanzenöle. »Voll Fett« heißt die Führung, die Dr. Peter Schubert am 27. Juli im Botanischen Garten gibt. Gezeigt werden nicht nur Dick- und Dünnmacher, wie die sehr fettreiche Macadamia–Nuss und die abspeckend wirkende Hoodia-Pflanze. Auch gesundheitliche Aspekte von Speiseölen werden erläutert, ebenso die Bedeutung von Fetten in Körperpflegeprodukten.

Da auch Wachse und ätherische öle den Fetten chemisch verwandt sind, erfährt man, was die Wachspalmen mit Gummibärchen verbindet oder warum Eukalyptusöl Halsweh vertreibt. Pflanzen, deren öle in der Technik oder als Kraftstoff Verwendung finden, werden bei dieser vielseitigen Führung ebenfalls erwähnt, sodass sich das Thema Fett erfreulicherweise nicht nur auf die menschlichen Fettpölsterchen bezieht, sondern den Nutzen einer Pflanze in den Vordergrund stellt.

Infos...
auch zu anderen Veranstaltungsterminen und -orten:
www.gartenrheinmain.de

Garek