Heft 214 Juli 2008
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Denkmal

Mainzer Gutenberg-Skulpturen, Teil 1:

Ein echtes Novum


Gutenbergdenkmal

Wer in Mainz wohnt, kommt um Gutenberg nicht herum. Zahlreiche Denkmäler wurden dem Erfinder der Buchdruckerkunst errichtet, drei davon stellen Gutenberg als Person dar. Diese drei sollen in unserer Denkmal-Reihe vorgestellt werden, angefangen mit dem ältesten und vermutlich unbekanntesten: dem Gutenberg-Denkmal von Joseph Scholl.

Es stammt aus dem Jahr 1827. Die Idee für ein Denkmal für den berühmtesten Sohn der Stadt kam aus der Bürgerschaft und war ein echtes Novum: Denkmäler wurden zur damaligen Zeit nur für Fürsten oder Könige errichtet. Schließlich aber setzten sich die Bürger mit ihrem Wunsch durch.

Die Mainzer Casino-Gesellschaft und der »Verein der Freunde für Kunst und Literatur« taten sich zusammen und erteilten dem Mainzer Bildhauer Joseph Scholl den Auftrag. Aus Spenden finanziert, schuf er eine mannshohe Sandsteinfigur Gutenbergs. Sie wurde am 4. Oktober 1827 eingeweiht und stand zunächst im Innenhof des Geburtshauses von Gutenberg, dem »Hof zum Gutenberg« an der heutigen Schusterstraße.

Zum einen passte sie dort thematisch sehr gut hin. Die Tatsache, dass das Denkmal in einem Innenhof untergebracht wurde, war aber vermutlich auch ein Zugeständnis an die Gepflogenheiten der damaligen Zeit. So wurde der große Mainzer Gutenberg zwar endlich mit einem eigenen Denkmal geehrt, aber an einen öffentlichen städtischen Platz stellte man es dann lieber doch nicht. Solche Ehren blieben noch weitere zehn Jahre den Adeligen vorbehalten.

Dann aber war es soweit: 1837 wurde eine weitere Gutenberg-Statue weithin sichtbar mitten in der Stadt aufgestellt. Wieder kam die Idee dafür von Joseph Scholl. Er regte an, endlich ein großes öffentliches Gutenberg-Denkmal zu bauen und stellte der Stadt auch gleich ein Modell vor. Die Idee wurde umgesetzt, den Zuschlag allerdings bekam ein anderer: der dänisch-stämmige Bildhauer Bertel Thorvaldsen. Doch dazu mehr im nächsten Heft. übrigens: Die Sandsteinfigur von Joseph Scholl hat es bis heute nicht wirklich in die öffentlichkeit geschafft, sie steht ziemlich versteckt im Eingangsbereich der Verwaltungsgebäudes des Gutenberg-Museums.

Ilona Hartmann