Heft 214 Juli 2008
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Autotest

Mercedes CLC: Schräghecklimousine mit neuem Design

Wilderer in fremden Revieren


Daten

Höchstgeschwindigkeit:
220 km/h
PS/kW: 143/105
Verbrauch: 7,5 Liter Super
Grundpreis: 23.625, Euro
Testwagenpreis: 35.128, Euro
(Komfortpaket, Klimaautomatik,
PARKTRONIC, Navigation etc.)

Als der Premium-Hersteller Mercedes 2001 mit einem Dreitürer auf Basis der C-Klasse auf den Markt kam, war das Erstaunen bei der Konkurrenz nicht schlecht: Wer kauft schon einen Benz mit Schrägheck? Doch der Kunde sah das anders: Bis heute entschieden sich 320.000 Käufer für diese Variante der Mittelklasse mit dem Stern. Dazu wilderte der kleine Schwabenpfeil kräftig in fremden Revieren. Etwa 70 Prozent der Fahrer des als »Coupe« bezeichneten Autos hatten zuvor eine andere Marke bevorzugt. Jetzt kommt der Nachfolger zu den Händlern. Grund genug für den »MAINZER«, das neue Modell unter die Lupe zu nehmen. Wir fuhren den CLC 180 Kompressor.

Die Untertürkheimer nennen das »Sportcoupe« jetzt CLC Sportcoupe. Das klingt nach großem Generationswechsel, nach Designikonen vom Schlage einer CL- Sportlimousine. Doch das stimmt nur bedingt: Zwar erhält der Nachfolger ein schmuckes neues Blechkleid, doch die Karosserie ist auf der Bodengruppe der alten C-Klasse platziert, die Motoren sind alte Bekannte. Bewährte Technik also in neuem Gewand nur so konnte man die Preise für Mercedes-Verhältnisse mit unter 30.000 Euro moderat halten.

Das war entscheidend für die Schwaben, denn gilt das Schrägheckmodell mehr noch als die Aoder B-Klasse als Einstieg in die Sternenflotte. Der CLC soll in der Tradition seines Vorgängers die Marke für jüngere und vor allem neue Kundenkreise öffnen. Dazu kommt: über 40 Prozent der Käufer des »Sportcoupes« entschieden sich danach für ein größeres Mercedes- Modell und fahren heute eine EKlasse, einen CLK oder einen SLK.

Mercedes CLC Sportcoupe Im Auftritt gibt sich der CLC aggressiv: Die deutlichen optischen Veränderungen haben dem Schrägheckflitzer gut getan. Rund 1100 Bauteile wurden verändert. So kommt der kleine Mercedes jetzt mit völlig neuer Schnauze daher und trägt das Gesicht der aktuellen C-Klasse in der Avantgarde-Ausstattung mit dem großen, in den Kühlergrill integrierten Stern. Der breite Lufteinlass unter der Motorhaube unterstreicht die Dynamik des Schrägheckmodells.

Auch das Heck ist neu: Hier grüßt ein Mix aus B- und CL-Klasse. Der Spoiler, der beim alten »Sportcoupe« das Heckfenster teilte, ist fast völlig verschwunden. Zwar ist er immer noch angedeutet, er wird jetzt jedoch nach unten von einem schmalen LED-Leuchtband als dritter Bremsleuchte begrenzt. Die deutlichen optischen Korrekturen verhelfen dem CLC zu einem wesentlich sportlicheren Auftreten.

Die Platzverhältnisse im Innenraum sind bei einem Radstand von 2,72 Metern mehr als ausreichend, die Sitzposition bequem, die Knöpfe richtig angeordnet, die Armaturen gut ablesbar. Die angebotenen Farben wirken frisch und modern, die Zierkonsolen bestehen aus gebürstetem Aluminium. Einzig das Infotainmentsystem auf Höhe des Schaltknüppels wäre etwas oberhalb besser platziert. Dafür ist es mit Farbdisplay, europaweiter DVD- oder Festplatten-Navigation und Media- Schnittstelle auf den neuesten Stand gebracht.

Das gute Raumangebot gilt allerdings nur für die vorderen Passagiere: Im Heck geht es trotz Easy-Entry-Sitzen besonders für Erwachsene eher eng zu. Der Fond zeichnet sich durch mäßige Kopfund Beinfreiheit aus kein Auto für die Großfamilie also. Der jugendliche Käufer, der mit diesem Wagen zur Mercedes-Familie gelockt werden soll, wird hinten wohl eher zusätzliches Feriengepäck oder Sporttaschen deponieren. Apropos Gepäck: Mit 310 Litern bietet der Kofferraum auf Mittelklasse-Niveau ausreichend Möglichkeiten für alle Arten von Ladegut.

In Fahrt bringen den CLC wahlweise vier Vier- und zwei Sechszylindermotoren mit einem Leistungsspektrum von 122 bis 272 PS. Doch wie üblich haben die Untertürkheimer die Maschinen zur Modellpflege optimiert. Obwohl die Leistung zum Teil deutlich steigt, geht der Verbrauch auf diese Weise um bis zu elf Prozent zurück. So schafft der schnellste CLC den Standardsprint in 6,3 Sekunden und wird erst bei 250 km/h abgeriegelt. Der 206 km/h schnelle CLC 200 CDI geht mit einem Verbrauch von 5,8 Litern und einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern durchs Ziel.

Mit der von uns gefahrenen Benzinerversion CLC 180 Kompressor (143 PS/105 kW) bietet sich dem interessierten Kunden ein gelungener Kompromiss zwischen Sparsamkeit und Sportlichkeit. Zwar wäre vermessen, bei einer Nenndrehzahl von 220 Newtonmetern von einem Sprinter zu reden, dennoch hat man bei dem knapp 1,5 Tonnen schweren Wagen nie das Gefühl, untermotorisiert zu sein. Der serienmäßig mit einem Sechsganggetriebe ausgerüstete Vierzylinder dreht willig hoch und hat auch genügend Reserven beim überholen.

Das ausgewogene Fahrwerk lässt die Passagiere auch auf schlechten Landstraßen nicht im Stich, der Motor bleibt angenehm leise. Auch die direkte Lenkung sorgt »für Freude am Fahren«. Dabei liegt der Verbrauch mit etwa 7,5 Litern Superbenzin auf erträglichem Niveau. Wer auf der Autobahn den sechsten Gang häufig nutzt, kann diesen Wert auch noch locker unterbieten. In 9,7 Sekunden ist Tempo 100 km/h erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 220 km/h.

F A Z I T:

Auch wenn in der Mittelklasse die »schrägen Nummern« seltener werden, man erinnere sich an den 3er BMW Compact, ist der CLC für den Konkurrenzkampf in Mittelund unterer Mittelklasse bestens gerüstet. Der Grundpreis des Testwagens liegt mit 23.625 Euro bequem im Golfsegment nur dass man dafür einen vollwertigen Mercedes bekommt. Gut verarbeitet, agil und leise, ist dieser Stern mit der praktischen Heckklappe allemal eine überlegung wert, nicht nur für bisherige BMW- oder Audifahrer.