Heft 213 Juni 2008
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Partnerschaft

Mainz - Brasov

Helfende Hände für eine Kindertagestätte

Dekan Claudiu Sita und seine Frau Nicoleta
Dekan Claudiu Sita und seine Frau Nicoleta leiten den Kindergarten »Grandinita Branduselor« seit vielen Jahren

Kindergeschrei und Musik dringen aus einem kleinen flachen Gebäude, dessen Fenster Papierblumen schmücken. Der Kindergarten der Krokusse »Grandinita Branduselor« im passenden Stadtteil ‚Florilor’, was übersetzt Blumen heißt, wirkt wie eine kleine Insel in dem tristen Viertel von Brasov, dem ehemaligen Kronstadt, in Rumänien. Die Schaukeln, bunte Rutschen und Sandkästen stehen im Garten der Tagesstätte, die sich deutlich vom grauen Beton der Plattenbauten abhebt. Nach knapp 18 Jahren ist der kommunistische Einfluss trotz diverser Modernisierungsprozesse immer noch nicht zu übersehen. Dass die Kindertagesstätte, die zur griechischkatholischen Kirche gehört, ungeachtet staatlicher Widerstände seit nunmehr neun Jahren noch besteht, zudem größer und schöner geworden ist, verdankt sie Adriane Zima und den vielen helfenden Kontaktstellen in Mainz. Auf Initiative der aus Brasov stammenden Architektin, die bereits seit 1988 in Mainz lebt, wird der Kindergarten 1999 trotz bürokratischer Widerstände der rumänischen Behörden erbaut. Der Anstoß ging von der griechisch-katholischen Kirche aus, einem Abzweig der römisch-katholischen, die jahrzehntelang unter dem Kommunismus verboten war. Sie beginnt nach dem Sturz des Diktators Ceausescu 1989 schrittweise eigene Einrichtungen wieder aufzubauen sowie Kirchen in den Pfarreien zu renovieren oder neu zu errichten. »Der Kindergarten wurde hier dringend benötigt, denn es gab keine guten Kindergärten. Allerdings werden private Kindergärten in Rumänien nicht vom Staat oder von der Stadt subventioniert. Deshalb mussten wir andere Wege finden, um das Projekt auf die Beine zu stellen«, erklärt Adriane Zima, die selbst griechisch-katholisch ist. Seit 1992 arbeitet sie für das Bistum Mainz und leitet die baulichen Projekte der zugehörigen Kindergärten. So sieht sie bei den Umbauarbeiten des St. Rochus Kindergartens viele ausrangierte Bauelemente, die für den Aufbau der Kindertagesstätte in ihrer Heimatstadt geeignet sind. Mit Einwilligung des Bistums und der Unterstützung ihrer Arbeitskollegin, Sigrid Stollenwerk, wird der Abbau der Fertigteilgebäude mit Fensterelementen und Sanitäranlagen organisiert und als Grundstock für den ersten privaten griechisch-katholischen Kindergarten in Brasov genutzt. Im Laufe der Zeit spenden und senden weitere Mainzer Kindertagesstätten wie St. Ignaz und St. Bartholomäus ihre Einrichtungsgegenstände und Spielgeräte nach Rumänien. Zusätzlich hilft das Bistum Mainz dabei, finanzielle Engpässe zu bewältigen und zahlt seit 2003 die Löhne für die Mitarbeiter der Kindertagesstätte Branduselor, die inzwischen 45 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren betreuen kann.

BESONDERE FREUNDSCHAFT

Die Kindertagesstätte »Grandinita Branduselor« Neben den vielen Verbindungen in Mainz entwickelt sich ein besonderer Kontakt zwischen dem Elternkreis des St. Alban/St. Jakobus- Kindergarten in der Mainzer Oberstadt und den Leiterinnen des Kindergartens in Brasov. Aus den gegenseitigen Besuchen entstehen über die Jahre in einem speziell gegründeten Arbeitskreis, den Mona Kiefer mitbegründete, zahlreiche Projekte zur Unterstützung der rumänischen Tagesstätte. Seitdem werden die von rumänischen Künstlern bemalten Ostereier zum Fest in Mainzer Kirchen und im Bistums-Shop verkauft und das Geld der Tagesstätte überwiesen. Zudem fließt die Hälfte des Erlöses jedes Sommerfestes des Mainzer Kinderhauses nach Rumänien. über den fachlich pädagogischen Austausch werden zusätzlich Kinderprojekte in beiden Ländern angestoßen. Im November 2007 dann rundet die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages die besondere Freundschaft zwischen dem Kindergarten Branduselor und dem Kinderhaus St. Alban/St. Jakobus ab. »Uns ist sehr daran gelegen, dass dieses persönliche Verhältnis und der Austausch mit dem Kindergarten weiter ausgebaut wird, denn damit können wir weiterhin einen Beitrag dazu leisten, die Situation vor Ort in Rumänien zu erhalten und zu verbessern «, sagt Mona Kiefer engagiert. Laut ihren Beobachtungen seien die Preise gerade für Lebenshaltungskosten in Rumänien nach dessen EU-Beitritt 2007 stetig gestiegen, jedoch lägen die Löhne noch immer weit unterhalb des westlichen Standards. Demnach ist die finanzielle Zukunft des Kindergartens ungewiss, obwohl viele Eltern inzwischen schon 40 Euro für ihr Kind im Monat zahlen würden viel Geld für rumänische Verhältnisse. Eingereichte Anträge auf Unterstützung vom Staat, der inzwischen ein Gesetz eingeführt hat, dass die Förderung privater Tagesstätten vorsieht, werden nur langsam bearbeitet. Seit einem Jahr wartet die Leitung des Grandinita Branduselor nun schon auf Antwort.



Mehr Informationen über den Kindergarten in Brasov und das Partnerschaftsprojekt:
Johanna Trs Nöllgen
(Leiterin St. Alban/ St. Jakobus
Kinderhaus): 06131/25069-11,
Mona Kiefer: 06131/89 15 10

NM