Heft 212 Mai 2008
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Der alltägliche Wahnsinn

Rentenerhöhung

Sagen Sie mal

Wahnsinn

haben Sie eigentlich noch Oma und Opa? Also meine sind vor einiger Zeit gestorben. ‚Leider‘, hätte ich bis vor Kurzem noch hinzugefügt. Mittlerweile aber sage ich fast schon: »Zum Glück!« Denn das, was ältere Menschen aktuell um die Ohren geschlagen bekommen, hätte ich meinen Großeltern nicht zumuten wollen!

Rentner gleich Sozialschmarotzer so in etwa klingt das, was momentan auf die Menschen jenseits der Arbeitslebensaltersgrenze einprasselt. Ausgelöst durch die Verdopplung der ursprünglich für dieses Jahr vorgesehenen Rentenerhöhung auf 1,1 Prozent wo doch schon das Wort ‚Erhöhung‘ bei einer gut dreifach so hohen Inflationsrate klingt, wie ein schlechter Treppenwitz!

Was dem Durchschnittsrentner netto also zwei Tassen Kaffee und ein Stückchen Kuchen einbringt, lässt so manchen jüngeren Bundestagsabgeordneten verbal Amok laufen. Es könne ja wohl nicht sein, dass die kommenden Generationen für diese überversorgung geradestehen müssten, tönt es aus Berlin. Und das von Frauen und Männern, die zum Teil direkt aus dem Unihörsaal auf die Parlamentsbank gestürmt sind und deren Altersgeldansprüche nach nur wenigen Jahren im Amt (und ohne dafür einen müden Cent in die Rentenkasse zu zahlen) bereits um fast die Hälfte höher sind, als die eines Otto-Normal-Rentners nach 45 Jahren in Lohn und Brot.

Aber nicht nur die Polit-Enkel prügeln auf die sie wählende Großelternkaste ein. Zuletzt meinte auch ein Bundespräsident a. D. den Finger heben und davor warnen zu müssen, dass die älteren die Jüngeren ausplündern könnten. Dass er sein Präsidentengehalt von über 200.000 € pro Jahr auch jetzt noch und bis an sein Lebensende weitergezahlt bekommt scheinbar uninteressant. Genauso wie die Tatsache, dass die jetzige Generation von Rentnern dieses Land erst aufgebaut hat und dabei nicht auf die Idee kommen konnte, sich zusätzlich noch privat fürs Alter abzusichern. Schließlich hieß es Mitte der 80er noch: »Wenn etwas sicher ist, dann die Rente!«

Doch nicht nur das »Luxusleben« unserer Großeltern scheint so manchen Mächtigen um den Schlaf zu bringen. Auch deren Wehwehchen und die dadurch anfallenden Kosten sorgen für politische Bauchschmerzen. So äußerte der Bundesvorsitzende der Jungen Union schon 2003 die Meinung, dass 85-Jährige keine künstlichen Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft mehr bekommen sollten (damit würden der oder die Betroffene zum Pflegefall, was ebenfalls ein paar Euro kostet, wahrscheinlich sogar noch ein paar mehr). Das kommt von einem jungen Mann, dessen bisherige Lebensleistung laut eigener Internetseite aus Wehrdienst, Studium, Hochzeit und politischem Wirken besteht (oder wie ich zu Letzterem auch sagen würde: dem Verbreiten solch unverschämten Schwachsinns).

Bleibt eigentlich nur die Frage, was kommt danach? Spontan fällt mir dazu ein fieser Witz ein. Mit dem Renteneintrittsalter darf man bei Rot über die Straße gehen. Fünf Jahre später muss man es!

In diesem Sinne Bis zum nächsten Mal. Ihr Rasta Mobi