Heft 212 Mai 2008
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Open Ohr Festival

Filme, Musik, Kabarett, Theater und Diskussionen

Vier Tage »für« den Konsum

Open Ohr Festival

An Pfingsten, vom 9. bis 12. Mai belebt das Open Ohr Festival erneut die Zitadelle. Immer mal wieder werden Ort, Dauer und Termin des laut Eigenwerbung »deutschlandweit einzigartigen nicht kommerziellen Jugendkulturfestivals« von konservativen Kräften in Frage gestellt; und immer wieder gelingt es den Organisatoren, der Freien Projektgruppe Open Ohr, in Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz und im Rahmen des Kultursommers Rheinland Pfalz mit wenigen finanziellen Mitteln ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Dieses Mal unter dem Motto: »Geld Gut Güter von Konsum und anderen Notwendigkeiten«.

Natalie Boog von der Freien Projektgruppe Open Ohr erklärt die Themenwahl: »Es kann sich heute niemand mehr damit herausreden, von den Auswirkungen seines Konsumverhaltens nichts zu wissen.« Die Diskussion über den so genannten aufgeklärten Konsum und der gesellschaftlichen Verantwortung jedes Einzelnen liegt in Zeiten der Globalisierung, des Klimawandels und der Wiederentdekkung des grünen Gewissens voll im Trend.

»Die Frage ist doch, ob man anhand seines Konsumverhaltens wirklich etwas beeinflussen kann, ob es den aufgeklärten Konsumenten überhaupt gibt oder ob sich dahinter nicht auch eine Scheinwirklichkeit verbirgt«, so Programmmacherin Boog weiter. In Frage gestellt werden nicht nur die (altbekannten) Manipulationsmechanismen der Werbeindustrie, sondern auch, ob man sich den Zwängen einer Konsumgesellschaft überhaupt entziehen kann.

Auf verschiedenen Bühnen, Zelten und Ständen im historischen Ambiente der Mainzer Festungsanlage wird richtig Tacheles geredet. Ein letztes Mal dürfen die Kulturkasematten als Kino benutzt werden, bevor ein Restaurant einzieht. Konsumiert werden können auf dem viertägigen Festival nicht nur Filme, sondern auch Musik-, Kabarett- und Theaterveranstaltungen sowie Podiumsdiskussionen und Workshops.

Erstmals gibt es dieses Jahr neben Dauerkarten auch Tageskarten und die Mitnahme von Getränken wird strenger kontrolliert. Verboten sind branntweinhaltige Spirituosen, während Niedrigprozentiges und Alkoholfreies (pro Person 1 Liter resp. 1,5 Liter) erlaubt sind. Wer will, kann gegen ein geringes Entgelt auch über Nacht bleiben. Zeltplätze gibt es in der Windmühlenstraße am Drususwall. Wohnmobile können auf dem Sandplatz der Windmühlenstraße direkt am Gelände abgestellt werden. Die bisherigen Zeltplätze Windmühlenberg und Zitadellengraben dürfen nicht mehr benutzt werden. Geöffnet sind die Zeltplätze Freitag ab 9, der Sandplatz ab 13 Uhr.

Plakat Open Ohr Festival Es lohnt sich durchaus, hier nachtaktiv zu sein, da viele der interessanten Live-Acts, wie das Konzert der aufmüpfigen Asian Dub Foundation, erst zu später Stunde gezeigt werden. Mit gesellschaftskritischen Texten ist auch Elektro-Punk-Legende Bernadette LaHengst zu Gast und Satire pur kann man (tagsüber) nicht nur mit Rolf Schwendters Talkrunden »Konsum skurril« erleben, sondern auch mit dem preisgekrönten Kabarettisten Claus von Wagner.

Viel Open-Air-Kino gibt es auf dem Drususstein, wo z.B. »Das große Fressen« gezeigt wird. Keine leichte Kost dieser Film, wie auch »We feed the world«, der, da tagsüber, in den Großen Katakomben läuft. Gespannt darf man auch auf das vielfältige Theaterprogramm sein, das u.a. die Themen Familien-Sponsoring (Zimmertheater Tübingen) und Verteilungsängste (Figurentheater Ambrella, für Kinder ab 4 Jahren) behandelt.

Einen Extra-Bonus für die Jüngsten präsentiert Eventagent Oliver Valentin mit Vorlesestunde, Kreativ- oder Mitmachangeboten und hat zudem noch eine Hüpfburg im Gepäck. Zwei Führungen über die Zitadelle zu den Themen Denkmal- und Naturschutz werden ebenfalls angeboten. Und bei der Podiumsdiskussion »3...2...1... Mainz« geht es um die monotonen Konsumlandschaften deutscher Innenstädte und den überlebenskampf des Mainzer Einzelhandels.

Das breite Spektrum spricht nicht nur die typischen Festivalbesucher zwischen 17 und 24 Jahre an, sondern richtet sich bewusst an ein größeres Publikum. Gedekkelte Zuschüsse, zurückhaltende Sponsoren und höhere Gagen, sind laut Sozialdezernent Kurt Merkator Gründe, auch ein »zahlungskräftigeres Publikum« für das Open Ohr zu begeistern. Mit dem Budget von gut 200.000 € seien keine oder nur wenige Groß-Acts zu kriegen, zumal Dreiviertel der Summe für die Infrastruktur aufgewendet werden müssten. Projektgruppenmitglied Andreas Licht stellt aber klar: »Kein Künstler muss auf seine Gage verzichten.«

Weitere Infos unter:
www.openohr.de
www.myspace.com/openohr


Garek