Heft 212 Mai 2008
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Musical

Blumenkinder, Wassermänner und aktuelle Vergangenheit:

»Hair« auf dem Mainzer Campus

Musical Hair

Ein Hohelied auf Individualismus und Pazifismus, eingebettet in rockige Melodien: das Kultmusical »Hair« steht seit 40 Jahren als Synonym der Hippiebewegung, das sich ganz den Themen seiner Zeit verschrieben hat: Protest gegen Establishment und Vietnamkrieg, Eintreten für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner, aber auch der freien Liebe und dem Drogenkonsum. 40 Jahre sind eine lange Zeit, die Blumenkinder wurden durch coole Hip Hopper ersetzt, der Vietnamkrieg ist beendet. Das Kultmusical »Hair« Schnee von gestern?

Keineswegs, findet die Hochschulgruppe »Musical Inc« der Mainzer Uni und holt das Musical 40 Jahre nach seiner Uraufführung wieder auf die Bühne. Denn an Aktualität, so Mareike Hachemer, Regisseurin bei »Musical Inc«, habe »Hair« keineswegs verloren: »Gerade die Debatte um den Irakkrieg macht die Antikriegshaltung, die in Hair thematisiert wird, sehr aktuell. Außerdem ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau nicht vollständig erreicht und Diskriminierungen auf Grund der Hautfarbe sind leider immer noch weit verbreitet.«

Seit Juli letzten Jahres wird daher fleißig geprobt, um das Rockmusical so detailgetreu wie möglich auf die Bühne zu bringen. Etwa 80 Studenten aus allen Fachbereichen sind an dem Projekt beteiligt und tragen die gesamte Arbeit ehrenamtlich: vom Casting der Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker, über das komplette Marketing, bis hin zur Gestaltung des Bühnenbildes. Die Ansprüche an jeden Einzelnen sind hoch, denn die Hochschulgruppe blickt mittlerweile auf eine 15-jährige Erfolgsgeschichte zurück. »In jedem Jahr wurde ein Musical produziert, wobei die Besetzungen wechseln, allerdings sind auch immer Leute dabei, die schon an mehreren ‚Musical Inc’ Projekten mitgewirkt haben«, so Hachemer.

Diskussionsstoff


Neu ist in diesem Jahr, dass die Studenten das Musical in eine Vortragsreihe des Studium Generale einbetten: »Die Themen, die in Hair angesprochen werden, bieten so viel Stoff für Diskussionen, dass es fast auf der Hand lag, das Musical mit einer wissenschaftlichen Vortragsreihe zu verbinden,« erklärt Hachemer und fügt nicht ohne Stolz hinzu: »Eine solche Verbindung zwischen Musical und Wissenschaft hat es bisher noch nirgends gegeben.«

Die Bandbreite der verschiedenen Wissenschaften, die sich vor jeder Aufführung mit »Hair« beschäftigen, ist so vielseitig, wie die verschiedenen Fachbereiche, aus denen sich die Hochschulgruppe »Musical Inc« zusammensetzt. Dazu Hachemer: »Ein Vortrag beschäftigt sich beispielsweise mit der Thematik des gewaltlosen Widerstandes, in einer anderen Lesung wird ein Pharmazeutiker über die genauen Wirkungen von Rauschmitteln aufklären.«

Es verspricht spannend zu werden auf dem Mainzer Campus, wo ab dem 23. Mai das Ergebnis der fast einjährigen Arbeit der Studenten zu begutachten sein wird. Zum ersten Mal in der 15-jährigen Geschichte der Hochschulgruppe, zieht es »Musical Inc« aber auch hinunter in die Stadt: Am 6. und 7. Juni gastiert das Rockmusical in der Showbühne Mainz. »Wir möchten die Verbindung zwischen dem Campus und der Stadt Mainz stärken. Deswegen kommen wir für zwei Aufführungen in die Stadt - quasi für all diejenigen, die nicht auf den Campus kommen können«, erklärt Hachemer.

Für alle anderen acht Aufführungen wird der Hörsaal P 1 des Philosophicums zur Hippiehochburg. Und für diejenigen, die nach dem Besuch des Musicals Lust bekommen, selbst zu feiern, hat die »Musical Inc« für Freitag, den 24. Mai eine große Party im Stil der 60er Jahre organisiert. Wer sich verkleiden will, kann das gerne tun, ein Muss ist das aber keineswegs, denn: Party und »Hair« scheinen so oder so zeitlos zu sein.

Aufführungstermine und Kartenvorverkauf:
www.musicalinc.de


Katrin Henrich

Musical Hair