Heft 212 Mai 2008
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Medien

Kompetenz im Umgang mit Medien

Fit für Fernsehen, Computer und Co.

Professor Dr. Stefan Aufenanger

Fernseher, Spielekonsolen, Computer, Internet und Handys – Kinder und Jugendliche sammeln mit ihnen wichtige Erfahrungen, und können gleichzeitig vielen Gefahren begegnen. Als Ausweg aus dem Mediendschungel fällt oft das Stichwort »Medienkompetenz«. DER MAINZER fragte Professor Dr. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz und wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Lesen, was sich dahinter verbirgt.

Prof. Aufenanger: Medienkompetenz heißt, dass Menschen in unserer durch Medien geprägten Welt mit den Medien sinnvoll, angemessen und sozial verantwortlich umgehen können. Das bezieht sich nicht nur darauf, die Medien zu bedienen, sondern es gibt sehr viele Aspekte von Medienkompetenz. Zum einen muss man die sozialen Folgen im Blick haben, also welche Auswirkungen es beispielsweise hat, wenn ich mit jemand nur per E-Mail verkehre. Zum anderen bedeutet es auch die Fähigkeit, Medien unter moralischen, ethischen Gesichtspunkten kritisch zu betrachten. Medienkompetenz bedeutet natürlich auch mit Medien etwas gestalten, ausdrücken zu können. Darüber hinaus haben Medien einen Erlebnischarakter, das heißt, sie betreffen uns emotional. Auch damit sollte man umgehen können.



fragezeichenWie viel Zeit vor der Glotze oder am Computer ist in welchem Alter »gesund«?

Prof. Aufenanger: »Erstens: Eltern müssen das selbst entscheiden, weil jedes Kind anders ist. Zweitens empfehle ich folgende Anhaltspunkte: bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren sollte der Medienkonsum bei einer halben bis maximal einer Stunde am Tag liegen. Mit Medienkonsum meine ich Bildschirmmedien wie Fernsehen, Videospiele, Computer oder auch DVD. Bei Sechs- bis Achtjährigen kann es eine halbe Stunde mehr sein, Neun- bis Zehnjährige können auch mal zwei Stunden konsumieren. Wichtig ist, dass Eltern das flexibel und dynamisch handhaben: Wenn das Wetter draußen schlecht ist, darf das Kind länger gucken, ist das Wetter schön, dann weniger.«

Neue PC-Sucht-Ambulanz am Uniklinikum Seit März gibt es an der Mainzer Uniklinik eine Ambulanz für die Therapie von Computerspiel- bzw. Internetsucht. Im Rahmen eines Modellprojektes werden dort erstmalig in Deutschland Jugendliche und junge Erwachsene in Gruppen behandelt.Angesiedelt ist die neue Ambulanz an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Geleitet wird sie von Prof. Dr. Manfred E. Beutel und Diplom- Psychologe Klaus Wölfing.Weitere Infos unter Tel.: 06131/ 39-24807 sowie unter www.verhaltenssucht.de


fragezeichenNeben der Zeit spielen auch die Inhalte eine große Rolle, welche Sendungen, welche Spiele sind gut für Kinder und welche nicht?

Prof. Aufenanger: »Fernsehzeitschriften oder Internet Informieren über Inhalte, zum Beispiel »Flimmo«, eine Broschüre, in der vierzehntäglich das Kinderfernsehen vorgestellt und eingeordnet wird (www.flimmo.de). Eltern sollten sich Computerspiele vorspielen lassen, um entscheiden zu können, ob das was für ihr Kind ist. Zum sicheren, kindgerechten Surfen im Internet gibt es spezielle Kinder-Portale oder Webseiten, die vorher extra für Kinder ausgewählt wurden.« (siehe Kasten)



fragezeichenWie können Eltern ihren Kindern im sicheren Umgang mit Medien helfen?

Prof. Aufenanger: Meiner Ansicht nach ist es eine Aufgabe von Elternschaft zu schauen, »was kuckt oder was spielt mein Kind?«. Damit meine ich Neugierde, zum Beispiel zu fragen, um was es in dem Film ging, den sich das Kind angeschaut hat, ob es damit Schwierigkeiten hatte, etc. Eltern sollten ihren Kindern unterstützend, helfend zur Seite stehen, Vertrauen ist eine wichtige Basis. Ungeeignet ist meiner Meinung nach sowohl alles zu verbieten, als auch eine laissez-faire-Haltung, wenn Eltern denken, dass das Kind selbst zurecht kommt.



fragezeichenWie können Eltern feststellen, wenn etwas nicht stimmt?

Prof. Aufenanger: Suchtgefahr besteht, wenn das Kind nichts anderes mehr macht. Wenn ein Kind mal eine Woche lang fernsieht, sollte man das dulden. Meistens stecken Alltagsprobleme dahinter, wie Stress in der Schule oder Zoff mit Freunden und die Kinder wollen mal flüchten. Ist das längerfristig so, dann müssen Eltern eingreifen: Mit dem Kind reden oder vereinbaren, dass es am Tag beispielsweise nur noch eine Stunde am Computer spielt. Hilft das nicht mehr, sollten Eltern auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen – bei einer Familienberatung, beim Psychologen, oder mit Lehrern oder Sozialarbeitern sprechen.

Kindersicher das Netz entdecken


Kids vor der Kiste

Sie sind so etwas wie die Jugendschutzpolizei im Internet, die 25 Mitarbeiter von jugendschutz.net in Mainz. Ihre Mission: Pornografische, rechtsextreme oder gewaltverherrlichende Inhalte im Netz aufspüren und dafür sorgen, dass ihre Anbieter diese rasch ändern, löschen oder für Kinder und Jugendliche sperren.

»Uns geht es aber nicht nur darum, die schlechten Seiten zu bekämpfen, es ist auch wichtig, Kindern gute Wege im Internet aufzuzeigen «, erklärt Dr. Ulrike Behrens von jugendschutz.net. Und so haben die Jugendschützer vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS) die Klick-Tipps ins Leben gerufen. Das ist eine Art »Verkehrsleitsystem«, das Kindern hilft, sich im Netz zurechtzufinden.

Eine unabhängige Redaktion von vier jugendschutz.net-Mitarbeitern, vor allem Medienpädagogen, durchforstet alle Kinderseiten im Internet und nimmt die besten in die Klick-Tipps auf. Pro Woche werden drei aktuelle Themen mit bis zu acht Links zusammengestellt. Eine Liste führt zu weiteren 35 kindgerechten Internetseiten.

Darüber hinaus bringt eine Kinderredaktion die Interessen der Kids ein. 15 Fünftklässler der IGS in Mainz-Bretzenheim waren zum Beispiel ein halbes Jahr lang dabei. Seit kurzem gibt´s eine Online- Kinderredaktion. Die Klick- Tipps kann jeder kostenlos in seine Webseite einbauen.

»Das ist keine klassische Verlinkung, sondern ein inhaltliches Angebot für andere Homepages, das sich automatisch wöchentlich aktualisiert«, verdeutlicht Behrens. Bislang gibt´s über 100 Abnehmer, die die Klick-Tipps in ihre Seite integriert haben, darunter viele Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen.

Mehr Infos unter:
www.klick-tipps.net oder unter www.jugendschutz.net


Ute Gent