Heft 211 April 2008
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Wahnsinn

Der alltägliche Wahnsinn:

Sagen Sie mal...

… wissen Sie eigentlich, was Bioethanol ist? Nun, etwas überspitzt könnte man sagen: ‚ökoschnaps‘. Denn unter Ethanol versteht man allgemeinhin Alkohol. Und das ‚Bio‘ davor besagt, dass diese Art aus nachwachsenden Kohlenstoffträgern hergestellt wird, wie z. B. Raps. Nein, keine Sorge, das wird kein Forum für den kleinen Schwarzbrenner nebenan. Denn der ‚ökoschnaps‘ wandert nicht in die eigene Blutbahn, sondern in die ihres Autos. Der Umwelt zuliebe nämlich sollen bei uns Super- und Normalbenzin so schnell wie möglich mit zehn Prozent Bioethanol durchmischt werden. Warum ist klar: Raps wächst nach und macht uns unabhängiger vom öl. So wollen es Brüssel und Berlin.

Blöd nur, dass der neue Supertreibstoff vielen älteren Vehikeln im Halse stecken bleiben dürfte. Oder besser gesagt in Benzinleitung oder Einspritzpumpe. Denn Bioethanol kann Gummi und Kunststoffe auflösen und hat eine höhere Oktanzahl als herkömmliches Benzin, was den Zündzeitpunkt verändert und dem Motor so im schlimmsten Fall einen tödlichen Keuchhusten einbringen kann. Wie viele Autos davon betroffen wären? Lediglich ein paar Tausend, sagt die Politik. Wobei sich die meisten Herstellerfirmen aber merkwürdigerweise weder auf Zahlen noch auf Garantien einlassen wollen. Einziger Ausweg: der Griff zu Super-Plus, für das die neue Bioregel nicht gelten wird, was aber auch deutlich teurer ist. »Egal, was soll´s«, könnte man jetzt sagen. »Was sind schon ein paar Euro weniger im Portemonnaie oder Stahlleichen mehr auf dem Schrottplatz, wenn es dafür Mutter Natur wieder etwas besser geht?!“ Tja, blöd nur, dass das vermeintliche Erfolgsrezept eher eine Mogelpackung zu sein scheint: Unsere Umwelt bekommt offenbar kein Heilmittel sondern ein Giftgemisch!

So ist z. B. Raps, die heimische Hauptquelle für Bioethanol, ein sogenannter Starkzehrer. D. h., er muss kräftig gedüngt werden, um ordentlich zu wachsen. Und das kostet Energie.

Doch selbst auf diese Weise gedopt und auf allen verfügbaren Ackerflächen der Republik angebaut würde der heimische Raps nicht ausreichen, um den vorgeschriebenen Bioethanolanteil im Benzin zu erfüllen. Also müsste der Rest importiert werden. Zum Beispiel aus Brasilien, wo dafür eigens fleißig Regenwälder gerodet und Pflanzenschutzmittel versprüht würden. Von dem Energieaufwand für den Transport mal ganz zu schweigen.

Doch damit noch immer nicht genug: So will der ADAC ausgerechnet haben, dass der Energiegehalt des gemixten Sprits geringer ausfällt und der Verbrauch deshalb steigt. Berücksichtigt man dazu noch, dass durch die Beimischung von Bioethanol der Literpreis um bis zu sechs Cent nach oben treiben dürfte, wäre man mit Super-Plus plötzlich sogar günstiger unterwegs und das Biobenzin würde zum Ladenhüter.

Was bleibt unterm Strich? Eine ökoarznei, die dem Patienten Natur mehr schadet als nutzt, dem eigenen Auto im Zylinderkopf stecken bleibt, wofür wir auch noch die Zeche zahlen müssen. Frei nach dem Motto: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Kfz-Mechaniker oder ihren Finanzberater.


In diesem Sinne – Bis zum nächsten Mal: Ihr Rasta Mobi