Heft 211 April 2008
Schilderkunde
Schild Einbahnstrasse mit Zusatz Radfahrer frei
Einbahnstraßen

Rechts vor links: gilt auch, wenn Radler gegen die Einbahnstraße fahren dürfen und zwar für Radfahrer und Autofahrer, auch wenn alles irgendwie seitenverkehrt zu sein scheint.


Schritttempo = Schritt fahren
Schritttempo = Schritt fahren

Das Tempo von Radlern, die in dazu freigegebenen Fußgängerzonen fahren, muss sich dem Umfeld, sprich den Fußgängern anpassen: je langsamer die laufen, je langsamer treten Radler in die Pedale und kurz bevor sie umfallen, sollten sie absteigen. Das ist kein Witz: Nicht alle Radler haben ihr Gleichgewicht so unter Kontrolle, dass sie im Schritttempo auf dem Sattel bleiben. Was an sich und besonders unter dem Gesichtspunkt »Miteinander im öffentlichen Raum« natürlich erscheint, sieht in der Praxis oft anders aus: die gemeinsam genutzte Fußgängerzone wird zur Rennstrecke, Laufende weichen der Macht der Schnelligkeit. Dabei wollten die Verkehrsplaner den Radlern was Gutes tun: Die – probeweise- Freigabe dieser Zonen lässt Radler den Innenstadtbereich auf direkten Wegen passieren. Und diese Freigabe kann rückgängig gemacht werden!


Schritttempo = Schritt fahren
Radweg oder Fahrbahn?

»Fahren Sie gefälligst auf den Fahrradweg, dafür ist er schließlich gemacht worden!« Der wenig freundliche Hinweis geht in diesem Falle, entlang der Göttelmannstraße, voll daneben! Es gibt Fahrradwege, die von der Benutzungspflicht ausgenommen sind: Mann und Frau kann, muss aber nicht auf diesem Weg radeln. Wie erkennen das Zweiund Vierradlenker? Zum Beispiel an nebenstehendem Schild. Aber auch daran dass zwar ein Fahrrad auf den Weg gemalt ist, aber keine Schilder da sind. Also Obacht geben: Auch dort wo KEINE Schilder sind! AUFPASSEN! Kinder bis 8 Jahre MüSSEN auf dem Gehweg fahren – auch wenn ein Fahrradweg vorhanden ist; zwischen 8 und 10 Jahre DüRFEN Kinder auf dem Gehweg fahren.
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Titelstory

Auf zwei Rädern unterwegs in Mainz:

Mit Rücksicht läuft's besser!


Die Mainzer Fussgängerzonen
Die Mainzer Fußgängerzonen


Kaum ist die 10 Grad Grenze überschritten, werden sämtliche mit Muskelkraft zu bedienende Räder aus ihrem Winterschlaf erweckt –Tretroller und Inliner eingeschlossen, Skateboards sowieso und dann gibt’s da noch Laufräder für die Kleinen... Plötzlich ist es auf manchen Wegen zu bestimmten Zeiten wieder ganz schön voll: Radler klingeln Fußgänger von »ihren« Wegen runter, Fußgänger verteidigen »ihre« Fußgängerzonen, Inline-Skater mogeln sich zwischendurch, kleine Kinder und nicht ganz so leichtfüßige Menschen sind froh, wenn sie diesem Durcheinander unbehelligt entgehen. Das muss alles nicht sein, sagt Wolfgang Stallmann, Mitglied im Kreisvorstand des ADFC (siehe Kasten), Rücksicht ist das Gebot für das Miteinander von ALLEN Verkehrsteilnehmern. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Regeln, die das Miteinander vereinfachen, die viele Verkehrsteilnehmer aber anscheinend nicht kennen. Also setzte sich DER MAINZER aufs Rad und erfuhr von Harry Tebbe, dem Radfahrbeauftragten der Stadt Mainz, und Wolfgang Stallmann bei einer Zweiradtour unter anderem, für welche Maßnahmen die Stadt in diesem Jahr 50.000 Euro ausgeben will.


radfahrerbegegnung auf der Eisenbahnbrücke

Begegnungen

Ganz schön eng hier, auf der Eisenbahnbrücke zwischen Mainz und Gustavsburg! Damit Radler und Fußgänger auf diesem stark frequentierten Verbindungsweg künftig besser aneinander vorbei kommen, stellt die Stadt Mainz 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die Verbreiterung der Brücke soll ab Mitte nächsten Jahres beginnen und voraussichtlich bis Anfang 2010 andauern. Finanziert wird die Verbreiterung von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz, der Stadt Mainz, der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg und dem Kreis Groß- Gerau. Der Mainzer Anteil von 1,2 Millionen Euro umfasst auch die Verbreiterung der Fußgängerbrücke über die Wormser Straße. In diesem Zusammenhang wird übrigens in »verwaltungsinternen Gesprächen« darüber nachgedacht, die – touristisch sinnvolle - Anbindung an den Main-Radwanderweg über die Eisenbahnbrücke bis in den Stadtpark hinein zu verlängern, den unteren, breiten Weg im Stadtpark für eine gemeinsame Nutzung von Fußgängern und Radlern freizugeben und so auch eine direkte Anbindung an den Winterhafen, sprich ans Rheinufer zu schaffen.


Kreuzung Rheinstraße/Wormser Straße/Salvatorstraße in Mainz An der Kreuzung Rheinstraße/Wormser Straße/Salvatorstraße(unten) stellt sich für Fahrradfahrer immer wieder die Frage: wie komme ich von hier in die Altstadt ohne entweder verkehrswidrig auf der falschen Seite und dem Fußgängerweg zu radeln oder nen Riesenumweg zu machen? Bis auf weiteres muss diese Frage jede(r) für sich selbst beantworten. In zwei bis drei Jahren, blickt Harry Tebbe optimistisch in die Zukunft, wird das Problem aber gelöst sein: dann soll von ganz oben (Kreuzung Am Stiftswingert/Hechtsheimer Str.) eine radlerfreundliche Verkehrsführung entstehen, entweder mit Schutzstreifen oder gemeinsamer Fußgänger/Fahrradfahrer-Nutzung, über die Ampel Richtung Neutorstraße leitend - was hoffentlich bei den Planungen für die Ansiedlung des RGZM in der Neutorstraße nicht vergessen geht.


Wolfgang Stallmann und rechts Harry Tebbe Dieses Schild an einem der vielen Eingänge zum Volkspark ist eindeutig: Hier dürfen Radler (Wolfgang Stallmann und rechts Harry Tebbe) nur laufen. Volks- und Stadtpark sind Tabu für Radler, was die Wenigsten wissen dürften, denn wer achtet schon auf Schilder an den Eingängen zu dem verzweigten Wegenetz? Ab und an, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn kaum Fußgänger unterwegs sind, dafür »Alltagsradler« auf dem Weg zur Arbeit das Gelände in der Oberstadt kreuzen, drehen Ordnungshüter im Auto ihre Runden, steigen gerne aus, um die Zweiradlenker auf ihre Ordnungswidrigkeit hinzuweisen und dem einen und der anderen 10 Euro abzuknöpfen. Manche der zur Kassegebetenen wünschen sich sehnlichst das Auftauchen dieser Damen und Herren an Sonntagen: wenn Papa und Mama und zwei Kinder auf ihren vier Drahteseln mit einem Affenzahn vom Vogelhaus Richtung Eisenbahnbrücke düsen und in schönster Selbstherrlichkeit Einwände von erschrockenen Fußgängern, Radeln sei hier verboten, abtun. Solche Situationen wird es immer geben, denn Rücksicht lässt sich nicht per Schild verordnen.



Fahrradverkehrsprojekte der Stadt Mainz 2008



Eine Auswahl aus der Liste der Abteilung Verkehrswesen im Stadtplanungsamt: Neue Radwege, bzw. Erweiterung, Verlängerung bestehender Radwege
  • K13 zwischen Laubenheim und Hechtsheim
  • Radweg Portland Weisenau - Rhein
  • Radweg Bruchspitze Mainz-Gonsenheim
  • Radweg Lennebergstr. Mainz-Gonsenheim
Neue Fahrradabstellanlagen
  • 200 Fahrradabstellanlagen Hauptbahnhof (Genehmigung steht noch aus)
  • 20 Fahrradabstellanlagen Greiffenklaustr. Schloss
  • 20 Fahrradabstellanlagen Bonifatiusstr.
Schutzstreifen
  • Weserstr. Gonsenheim
  • Hauptstr. im Bereich Kreisel Mombach
  • Kreuzstr. (Hauptstr.-Industriestr.) Mombach
Radwege Kleinmaßnahmen
  • Erneuerung des Radwegs Mombacher Str. zwischen Fritz-Kohl-Str. und Hauptbahnhof West
  • Radgehweg zwischen Kläranlage und Schiersteiner Brücke
  • Markierung von Radwegen im Stadtgebiet
  • Wegweisung für Radfahrer
  • Bordsteinabsenkungen an Radwegen



Wichtige Adressen:


www.mainzverkehr.de
Unter »Tipps und Tricks« finden sich die wichtigsten Verkehrsregeln. Unter »Radwegbenutzung« ist detailliert erklärt, was es mit Radwegen auf sich hat, die aus der »Benutzungspflicht für Radfahrer« herausgenommen worden sind. Außerdem: Download des aktuellen, 2008er- Fahrradkalenders; den gibt es – als gedruckte Variante - auch an der Rathaus-Pforte, im Verkehrsdezernat auf der Zitadelle sowie in allen Ortsverwaltungen.

www.adfc-mainz.de

»Interessensvertretung für Alltagsradler« – so bezeichnet Wolfgang Stallmann den ADFC. Im Unterschied zu Vereinen und Verbänden, die sich eher um Sportradler bemühen, will der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club die Radfahrbedingungen für alle Menschen verbessern und gleichzeitig mehr Menschen bewegen, das Rad als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Vorort informieren die ADFCVertreter mit Ständen und Radtouren, Aktionen wie Fahrradbörsen und Fahrradcodierungen: die nächste ADFC-Fahrradbörse ist am Sonntag, 6. April von 10.30 Uhr bis 14 Uhr auf dem Gelände der alten Ziegelei in Mainz-Bretzenheim. Es besteht für alle die Möglichkeit des An- und Verkaufs sowie Tausches von gebrauchten Fahrrädern, Fahrradteilen und – zubehör. Standgebühr wird keine erhoben, für das leibliche Wohl wird mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem gesorgt. Angeboten wird auch die Fahrradcodierung, die eine eindeutige persönliche Kennzeichnung des eigenen Fahrrads und somit hilfreichen Schutz vor Diebstahl ermöglicht. Erforderlich sind dazu ein gültiger Ausweis und – nach Möglichkeit - der Kaufbeleg für das Rad.


Fahrräder, die anscheinend niemand mehr will, die wochenlang irgendwo rumstehen oder –liegen können unter dieser Email-Adresse oder unter Tel. 122784 gemeldet werden; das Verkehrsüberwachungsamt ist mit SPAZ regelmäßig unterwegs um diese Räder abzutransportieren.

www.cjd-mainz.de

Der gemeinnützige Verband Christliches Jugenddorfwerk Deutschland betreibt nun den Fahrradverleih im Cityport-Parkhaus am Hauptbahnhof (Binger Straße 19, Tel. 06131/336 12 25), geöffnet ist seit Mitte März; 50 nagelneue Räder wurden angeschafft und können Mo-Fr von 8 bis 20 Uhr und Sa von 8 bis 16 Uhr ausgeliehen werden (natürlich auch länger als einen Tag!)


SoS