Heft 211 April 2008
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Selbsthilfe

Vom Opfer zum Antiopfer:

Die richtigen Signale können helfen


Selbsthilfe

überfallen und vergewaltigt werden das ist wohl DAS Schreckensszenario einer jeden Frau. Zumal überfallartige Vergewaltigungen oft in Serien auftreten, wie es in Mainz erst Anfang des Jahres der Fall war. »Solche Vergewaltigungen werden in der Regel durch Triebtäter begangen. Und diese Täter machen so lange weiter, bis sie ihren Trieb befriedigt haben. Ein Ende nimmt das erst, wenn wir sie schnappen,« erklärt Kriminalhauptkommissarin Ines Rose vom Dezernat »Gewalt gegen Frauen und Kinder« und fügt hinzu: »Diesen Tätern geht es also nicht um Macht, sondern allein um die sexuelle Befriedigung. Es sind meistens Fremdtäter, das heißt Opfer und Täter kennen sich nicht.« Ihre Opfer suchen sie sich dabei recht spontan aus, wobei jeder einzelne Täter meist einem bestimmten Typ Frau auflauert.

»Grundsätzlich aber gilt«, so Rose, »es gibt keinen Typ Frau, der gefährdeter ist als andere. Das liegt daran, dass es viele Täter gibt und jeder Täter auf einen anderen Typ Frau steht.« Will heißen: eigentlich sind alle Frauen potenzielle Opfer. Grund zur Panik und Hysterie besteht deswegen allerdings nicht, denn es gibt durchaus Mittel und Wege sich vor den Tätern zu schützen. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise darin, sogenannte Selbstbehauptungskurse zu besuchen. Vereinfacht ausgedrückt lernt man hier, die »richtigen« Signale auszusenden. »Die Art, wie man geht, wie man spricht, die ganze Körpersprache: All das sind Signale, die jeder Mensch aussendet und die auch ein Täter empfängt. Im Prinzip lernt man in den Kursen das Signal auszusenden: Mit mir nicht!« erklärt Rose den Grundgedanken hinter den Kursen, in denen zum größten Teil mit Rollenspielen gearbeitet wird. Zugegeben, das klingt eher abstrakt. Wer konkretere und vor allem ohrenbetäubendere Signale aussenden will, dem rät Rose zu dem sogenannten Schrillalarm: auf Knopfdruck oder nach dem Handgranatenprinzip gellt das kleine Gerät los, und soll so den Täter in die Flucht schlagen: »Der Schrillalarm ist eigentlich die beste Verteidigungswaffe, da er die Aufmerksamkeit anderer Leute auf sich zieht, und das will der Triebtäter auf jeden Fall vermeiden.« Von dem Mitführen und Gebrauch anderer Waffen rät Rose aber strikt ab: »Durch eine Waffe, wie beispielsweise ein Messer oder einen Elektroschocker fühlt sich der Täter angegriffen und wird noch aggressiver. Da Männer Frauen körperlich außerdem meist überlegen sind, kann der Täter seinem Opfer die Waffe leicht entwinden und gegen sie einsetzen.« Auch der Einsatz von Pfefferspray und Reizgas kann schnell zu einem zweischneidigen Schwert werden, weiß Rose: »Gerade bei Pfefferspray muss man sehr genau zielen, um eine Wirkung zu erzielen. Das ist aber meist im Ge- rangel nicht möglich, die gewünschte Wirkung, den Täter außer Gefecht zu setzen, bleibt also aus. Dieser fühlt sich aber angegriffen und reagiert dementsprechend aggressiv.«



Ines Rose
Kriminalhauptkommissarin Ines Rose

Doch es gibt auch Präventionsmaßnahmen, die ganz ohne Waffen und Verteidigung auskommen und dabei schon fast banal klingen: Da ein Triebtäter Aufmerksamkeit und Zeugen vermeiden will, ist die einfachste Lösung: zu zweit gehen. »Gerade gewohnte Strecken, die man häufig zurücklegt, sollte man nach Möglichkeit nicht allein gehen,« erklärt Rose und fügt hinzu: »Vielleicht sollten sich Frauen einfach mal zum Auto oder nach Hause begleiten lassen. Das ist sicherer und hat auch nichts damit zu tun ob man nun emanzipiert ist oder nicht.« Wenn es sich jedoch nicht vermeiden lässt, alleine zu gehen, dann sollte frau darauf achten relativ sichere Strecken zu wählen. Dazu Rose: »Die Fußgängerzone macht zwar nachts einen sicheren Eindruck, weil sie hell erleuchtet ist. Im Ernstfall ist sie aber nicht sicherer als eine Parkanlage, weil dort kaum Menschen wohnen, die Hilfeschreie hören könnten.« Sichere Strecken sind demnach Wohngebiete, oder Wege, die an Kneipen, Kiosken oder Tankstellen vorbei führen, an denen man schnell Hilfe holen kann.

Falls alle Vorsichtsmaßnahmen nichts nützen sollten, appelliert Rose, sofort nach der Tat die Polizei zu alarmieren: »Je schneller ein Hilferuf bei uns eingeht, desto enger können wir das Netz ziehen, und den Täter festnehmen, und so andere Frauen vor einem ähnlichen Schicksal bewahren.«


Katrin Henrich