Heft 211 April 2008
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Mogunzius

Mogunzius

Wenn Parken schon in allen PMG-Parkhäusern der Stadt wegen der Tarife zum Daueraufreger avanciert, dann müsste dem geschätzten Kunden im Parkhaus »Am Brand« total die Galle überlaufen. Mit drei Euro für 59 Minuten gehört dieses Parkhaus tatsächlich zu den Teuersten in der Republik. Doch muss man sagen, dass sich dieser ärger relativieren kann, wenn man sieht, welche beeindruckende architektonische Metamorphose das Brand- Geschäftszentrum durchgemacht hat. Die luftige öffnung des Elektrofachmarkts Saturn und der gegenüberliegenden Modekette gibt dem Brand einen städtebaulichen Aha-Effekt, den man ehrlicherweise im Brand nicht mehr erwartet hätte. 18 Millionen Euro hat Günter Drees als Mehrheitsgesellschafter des Wohn-, Büro- und Einkaufskomplexes in die Hand genommen, um das Areal gewissermaßen für eine neue Epoche auch optisch zu öffnen. Ganze Arbeit hat eine Architektin geleistet, der wir dann auch gerne verzeihen, dass sie in Köln ihr Büro hat.

Jetzt folgt die Korbgasse

Mehr Licht, größere Schaufenster, einladende Geschäftseingänge: Mit dieser Mixtur wurde der im Dornröschenschlaf dahindämmernde Brand geweckt und bietet so jedem Einkaufsmarkt auf der grünen Wiese Paroli. Angesichts solch gelungener Modernisierungen führt sich die zähe Diskussion um das städtische Einkaufszentren-Konzept ad absurdum, denn in dieser Optik bleibt das Brandzentrum die Topadresse der Landeshauptstadt. Doch damit nicht genug: Der Brand-Papst Drees hat noch einige andere Pläne im Visier, um die Einkaufsmeile weiter aufzuwerten. So wird nach Eröffnung der Markthäuser die Korbgasse modernisiert, die bisher als Wurmfortsatz zwischen Kinos und tristen Hinterausgängen von Arztpraxen ein eher kümmerliches Dasein geführt hat. Doch mit der neuen ära in Richtung Marktarchitektur soll auch diese Einkaufsader mit einem Mix an Boutiquen mehr Kunden locken. Auch hier macht Hoffnung, dass sich die Verantwortlichen abermals auf das Kölner Architektenbüro verlassen, was eine Umgestaltung aus einem Guss erwarten lässt. Unterm Strich zeigt hier ein Privatmann, wie man erstklassige Stadtentwicklung beherzt umsetzen kann.

Die Lu bleibt weiter lau

Während hier das Einkaufen tatsächlich mit mehr Erlebnischarakter versehen wird, heißt es an anderer Stelle abwarten. Auf Geldgeber, Entscheidungen und mutige Pläne, die ähnlich wie im Falle des Brandzentrums einer angestammten Adresse aus den 70er Jahren neues Flair einhauchen. Wer etwa mit offenen Augen an der Ludwigsstraße die offensichtlich unvermeidbaren Pavillons und das völlig veraltete Kaufhaus einer Kette beobachtet, dem drängt sich auf, dass diese Ecke der Einkaufsstadt förmlich nach einer Modernisierung schreit. Doch wird mittlerweile nur noch selten über ein modernes und zeitgemäßes Kaufhaus im Stil eines E+E-Centers gemutmaßt, weil die besagte Kette lieber aus einem alten Haus Geld erwirtschaften statt mit einem neuen Konzept auch neue Einkaufskunden anlocken will. Damit wird hier eine wirkliche städtebauliche Aufwertung verspielt. Feder Und von politischer Seite, geschweige denn vom Stadtvorstand hört man auch nicht wirklich eine ernst gemeinte Forderung nach Modernisierung. Zweifelsohne etabliert hat sich die Römerpassage, die in Richtung Neustadt ein zentraler Baustein der Einkaufsstadt geworden ist und auch die Geschäftswelt rund um die noch junge Ladenmeile belebt. Wenn jetzt noch am Südbahnhof das Einkaufen mit dem neuen Projekt attraktiver wird, dann ist Mainz etwa im Vergleich zu seiner Nachbarstadt Wiesbaden große Schritte vorangekommen. Denn dort fehlen nachweislich Mut und Mehrheiten für große Sprünge in Sachen Einkaufsarchitektur. Doch Mainz kann diesen Vorsprung nur halten, wenn jetzt noch konzeptionell gearbeitet wird. An Aktionstagen oder Attraktionen, die das Einkaufen noch mehr zum Erlebnis machen.