Heft 211 April 2008
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Mein Lieblingsbuch

Karl Kardinal Lehmann:

»Mit gefesselten Händen«


»Es ist bekannt, dass ich Bücher sehr gerne mag, besonders theologisch-philosophische Werke, aber auch aus dem Bereich der Literatur. Da fällt es mir sehr schwer, (nur) ein Lieblingsbuch zu benennen. In Interviews bin ich schon oft nach einem Buch gefragt worden, das ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Da habe ich dann geantwortet: »Wenn ich mich so beschränken muss, dann könnte ich mir neben der Bibel auch die »Bekenntnisse« des heiligen Augustinus vorstellen. Aber: Ich würde hoffen, dass auf der Insel bald ein Schiff vorbeikäme, das diese missliche Situation beenden könnte.

buch
Alfred Delp: »Mit gefesselten Händen«
Verlag Josef Knecht
in der Verlag Karl Alber GmbH
Hermann-Herder-Str. 4
79104 Freiburg
Tel.: 0761 / 2717-436

www.knecht-verlag.de
(14,90 Euro)

Wenn ich nun also aus der reichen Auswahl wiederum nur ein einziges Buch benennen soll, dann will ich aus aktuellem Anlass an ein Buch erinnern, das vor wenigen Wochen zum 100. Geburtstag von P. Alfred Delp SJ in 12. Auflage neu erschienen ist: »Mit gefesselten Händen. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis«, Freiburg i.Br. 2007. Es ist die Neuauflage des bekannten Werkes des Jesuitenpaters Alfred Delp: »Im Angesicht des Todes«, geschrieben zwischen Verhaftung und Hinrichtung 19441945, Frankfurt a. M. 1947. P. Alfred Delp SJ, der die Hälfte seines Lebens im Bistum Mainz (Lampertheim, Dieburg) verbracht hat, wurde am 28. Juli 1944 als Mitglied des »Kreisauer Kreises« verhaftet und war vom 7. August bis 27. September 1944 in der brutalen Gewalt der Gestapo. Anschließend war er in der Haftanstalt Berlin-Tegel, wo er vor Pater Franz Graf von Tattenbach seine letzten Ordensgelübde ablegen konnte. Der Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin endete am 11. Januar 1945 mit dem Todesurteil wegen Hoch- und Landesverrates. Pater Delp wurde am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee am Galgen hingerichtet. Er durfte kein Grab erhalten. Die Asche seines Leichnams wurde auf Himmlers Befehl in den Rieselfeldern um Berlin zerstreut. Man wollte so das Andenken an ihn regelrecht auslöschen. P. Paul Bolkovac SJ hat unmittelbar nach dem Krieg die wichtigsten Texte von Alfred Delp, die aus dem Gefängnis in Berlin-Tegel herausgeschmuggelt worden waren (die »Kassiber«), in einem eindrucksvollen Band versammelt und herausgegeben. Hier liegt nun die 12. Auflage vor und dokumentiert das Zeugnis eines Mannes, der sich auch noch im Angesicht des Todes die Zuversicht aus dem Glauben erhalten hat und so zu einem Vorbild auch für uns heute geworden ist.«