Heft 211 April 2008
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Mathematik

Nach den Sternen greifen:

Mit Formeln und Zahlen


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Entweder man liebt es, oder man hasst es ein gesundes Mittelmaß scheint es in Bezug auf das Schulfach Mathematik jedenfalls nicht zu geben. »Es gibt kaum ein Fach, das so polarisiert wie die Mathematik. Und leider gibt es auch kaum ein Fach, das bei einigen Schülern so viel Angst und Schrecken verbreitet wie Mathe,« weiß Professor Manfred Lehn, geschäftsführender Leiter des Instituts für Mathematik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Schade, findet Lehn, denn so schrecklich sei die Zahlenwissenschaft doch gar nicht: »Das Tolle an der Mathematik war für mich immer, dass es kein ‚vielleicht’ gibt: Entweder eine Aussage ist wahr und lässt sich beweisen, oder sie ist eben falsch. Das ist eine klare Sprache, die zudem noch den Vorteil hat, dass sie wirklich universell gesprochen wird, nämlich mit Hilfe von Zahlen und Formeln, die man auf der ganzen Welt verstehen kann, ohne erst sprachliche oder kulturelle Hürden überwinden zu müssen.« Universalität und Eindeutigkeit ist der eine Vorteil; doch Mathe hat laut Lehn noch mehr zu bieten: »Die Mathematik ist eine sehr alte Wissenschaft, bei der auch noch Formeln von vor 1000 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Das heißt aber nicht, dass die Mathematik abgeschlossen ist. Die Forschung geht immer weiter und baut auf den bestehenden Gesetzen auf. Das ist doch sehr faszinierend.«



Ines Rose
Prof. Manfred Lehn

An guten Argumenten für die Mathematik scheint es nicht zu mangeln, wohl aber an der richtigen Vermittlung. Dazu Lehn: »Die Schüler müssen ja nicht sofort nach den Sternen greifen, aber man sollte ihnen zumindest zeigen, dass da Sterne sind, nach denen sie greifen können.«

Der Griff nach den Sternen wer hätte gedacht, dass die abstrakte Wissenschaft der Mathematik so poetisch sein kann? Und da sich besagter Griff in den Himmel nicht nur mit Hilfe von Formeln und Zahlen bewerkstelligen lässt, sondern auch auf den »Brettern, die die Welt bedeuten«, hat sich das Institut für Mathematik anlässlich des Jahres der Mathematik etwas einfallen lassen, das die beiden Elemente Mathematik und Theater verbinden soll. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Kooperation nennt sich »Matheater« und soll in erster Linie Schülern den Spaß an der Mathematik vermitteln. Alle Schultypen und Klassenstufen können sich an diesem Projekt beteiligen, das sich ganz einfach erklären lässt: »Die Schüler können sich zusammen mit ihren Lehrern entweder selbst Theaterstücke ausdenken oder bereits bestehende einstudieren. Einzige Bedingung: die Stücke müssen etwas mit Mathematik zu tun haben. Das könnte beispielsweise die Biografie eines großen Mathematikers sein, oder ein Theaterstück, das sich mit mathematischen Gesetzen, wie dem Satz des Pytagoras beschäftigt. Aber genauso interessant wären Stücke, in denen sich Erfahrungen der Schüler aus dem Matheunterricht wiederspiegeln.« Innerhalb des großen Feldes der Mathematik können die Schüler ihre Kreativität also voll ausleben, ein Aspekt, der, so hofft Lehn, auch Schüler anspricht, die mit der Mathematik bisher eher auf Kriegsfuß standen: »Die Schüler beschäftigen sich zwar mit Mathe, aber auf eine ganz andere Weise, als sie dies im Schulunterricht tun. Die Tatsache, dass es sich bei »Matheater« um ein längerfristiges Projekt handelt, bei dem auch Dinge wie Bühnengestaltung und Schauspiel eine wichtige Rolle spielen, trägt dann hoffentlich dazu bei, dass auch die Schüler Spaß an der Beschäftigung mit der Mathematik bekommen, die normalerweise am liebsten einen Bogen um die Mathematik machen würden.«

Logo 15 Schulen aus ganz Rheinland-Pfalz haben sich bis jetzt bei dem Projekt angemeldet. Sie haben nun den Sommer über Zeit ihr jeweiliges »Matheater-Projekt« voranzubringen und gegen Ende des Jahres werden die verschiedenen Ergebnisse im Rahmen eines Schultheaterfestivals präsentiert. Der genaue Veranstaltungsort ist noch unklar. Eines steht aber schon fest: Die besten Produktionen werden auf jeden Fall prämiert. Da ist Kreativität gefragt im abstrakten Reich der Zahlen und Formeln.


Katrin Henrich