Heft 210 März 2008
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Straßen

Serie "Strassen in Mainz"

Welcher Brunnen ist denn hier neu?



Der Neue Brunnen der gar nicht mehr so neu aussieht, der aber Neubrunnenplatz und Neubrunnenstrasse ihren Namen gegeben hat.

»Der Brunnen, um den man nicht drum herum kommt« so heißt es auf den Interseiten der Stadt über den Neuen Brunnen, der Neubrunnenplatz und Neubrunnenstraße ihre Namen gegeben hat. Und das ist sowohl wörtlich als auch bildlich gemeint. Zum einen steht der Brunnen sozusagen mitten im Weg, wenn man das Bleichenviertel durchquert. Zum anderen kommt man kaum an ihm vorbei, wenn man sich mit der Geschichte dieser Mainzer Ecke beschäftigt. Diese beginnt bereits Mitte des 17. Jahrhunderts. Kurfürst Johann Philipp von Schönborn entschied damals, dass sich der heutige Neubrunnenplatz (damals noch ohne Brunnen) hervorragend als Standort für einen Speisemarkt eigne. Einige Zeit später, zwischen 1726 Brunnen dazu entworfen von dem damaligen Stadtbaumeiter Johannes Weydt. Der Brunnen fungierte nicht nur als unübersehbares Mainzer Bauwerk. Er hatte auch eine ganz und gar praktische Bedeutung, indem er das Trinkwasser für das frisch entstandene Bleichenviertel lieferte. Das Wasser wurde durch Bleirohre aus einer neuen Quelle in Bretzenheim hergeleitet. Auf diese Weise entstand die erste Wasserleitung der Stadt seit der Römerzeit. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Brunnen mit seinen drei roten Sandsteinstufen immer wieder saniert und verändert. Neue Statuen kamen hinzu, ältere wurden durch Kopien ersetzt. Markantestes Merkmal des Brunnens ist zweifellos der 12 Meter hohe Obelisk. Die beiden Flussgötter, die an seinem Sockel ruhen, symbolisieren die Flüsse Rhein und Main. Voller Symbolik sind auch die vier Flachreliefs, die jeweils an den Seiten des Obelisken angebracht sind. Sie stehen für Handel, Kunst, Staatsfinanzen und Krieg. Vieles davon hatte der Brunnen bereits erlebt, als die Neubrunnenstraße 1825 endlich ihren Namen erhielt. Schon damals war der »Neue Brunnen« stramme 100 Jahre alt. Mittlerweile passt der Name allerdings irgendwie wieder: erst vor sechs Jahren, im Jahr 2002, wurde der Brunnen nämlich zum letzten Mal von Grund auf generalüberholt und strahlt seitdem wieder in ziemlich „neuem“ Glanz.


Ilona Hartmann