Heft 210 März 2008
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Glaube

Zurück in die Kirche?

Die Cityseelsorge baut Schwellenängste ab


Pater Leo und Maria Grittner-Wittig
Sie haben ein offenes Ohr nicht nur für Glaubensfragen: Pater Leo und Maria Grittner-Wittig in der »Kirche am Markt Nr.10«

»über Gott und die Welt reden« eigentlich ist das nur eine Redensart. In der »Kirche am Markt Nr. 10« in unmittelbarer Nähe zum Dom ist dieser Satz jedoch Programm, denn genau darin sehen die beiden festangestellten Halbtagskräfte Pater Leo und Maria Grittner-Wittig und ihre ehrenamtlichen Helfer eine der Hauptaufgaben der kleinen Einrichtung. »Wer sich einfach mal ein Problem von der Seele reden will, der kann bei uns vorbei kommen und wir versuchen zu helfen, soweit wir können,« erklärt Grittner-Wittig das Prinzip der Cityseelsorge und fügt hinzu: »Das können konkrete Probleme oder Fragen zu Kirchensachen sein, aber auch wer über Glaubensfragen diskutieren möchte, der findet hier ein offenes Ohr.« Niederschwelliges Angebot nennt Grittner-Wittig dieses Konzept, denn sie weiß: »Viele Menschen haben der Kirche, wissen nicht zu welcher Gemeinde sie eigentlich gehören oder stehen der katholischen Kirche schlicht und ergreifend kritisch gegenüber. In die Kirche am Markt können sie ungezwungen kommen, ohne gleich vereinnahmt zu werden. « Doch in einigen Fällen war der Schritt in die Kirche am Markt auch gleichzeitig der erste Schritt in die katholische Kirche. Ist die Cityseelsorge also als eine Art Brückenbauer zurück oder hinein in den Schoß der Kirche? »Wer diesen Schritt gehen will, der wird von uns natürlich gerne unterstützt,« sagt Pater Leo, der im vergangenen Jahr 22 Menschen auf diesem Weg begleitet hat. Lange und ausführliche Gespräche über Glaubensfragen stehen dabei an erster Stelle, dann folgen die Formalitäten und am Ende steht die Aufnahme- beziehungsweise Wiederaufnahmefeier. Auf diese Feier legt Pater Leo besonderen Wert, denn: »Es handelt sich dabei schließlich um ein freudiges Ereignis, dass auch schön begangen werden soll.« Grund zur Freude haben im Hinblick auf Eintritt und Wiedereintritt aber nicht nur die Eintretenden selbst, sondern auch die Kirche als Institution: Für das gesamte Dekanat Mainz Stadt gilt, dass die Zahl der Ein- und Wiedereintritte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, die Zahl der Austritte hingegen abnimmt. Auch wenn die Austritte zahlenmäßig immer noch überwiegen, scheint sich ein Trend hin zur katholischen Kirche abzuzeichnen. »Religion ist wieder ein Thema geworden, für das man sich nicht mehr schämen muss, wie das jahrelang eher der Fall war,« spekuliert Grittner-Wittig und fügt hinzu: »Außerdem ist auch die öffentlichkeitsarbeit der Kirche besser geworden, das darf man nicht unterschätzen. « Auf eines legt Grittner-Wittig bei der Frage nach Ein- und Wiedereintritt aber besonderen Wert: »Wir missionieren die Menschen hier nicht gegen ihren Willen. Eine offene Begegnung, bei der interessante Fragen ausgetauscht werden, ist für mich wichtiger als Leute in die Kirche zu zerren.« Diese Meinung vertritt auch Pater Leo: »Wenn wir merken, dass ein Mensch zwar religiös ist, aus den Gesprächen aber hervorgeht, dass er sich zum Beispiel in der evangelischen Kirche von seinem Wesen her viel wohler fühlen würde, dann versuchen wir in solchen Fällen natürlich die Brücke zur evangelischen Kirche zu bauen.« Und Grittner-Wittig fügt hinzu: »Jeder soll seinen persönlichen Glaubensweg finden bei dem es ihm gut geht, ob nun innerhalb oder außerhalb der Kirche.« Für Ostern hat sich die Kirche am Markt daher ein besonderes Angebot ausgedacht, das man wieder mit dem Adjektiv niederschwellig schmücken könnte. Dazu Grittner- Wittig: »Gerade die Karfreitags- Liturgie ist eher schwer und erdrückend. Daher bieten wir an Karfreitag einen Rundgang durch Mainz an, der zwar auch gottesdienstähnliche Elemente enthält, aber leichter verdaulich ist, als das herkömmliche Angebot der Kirche.«
Infos unter www.bistummainz.de



Katrin Henrich