Heft 210 März 2008
Veranstaltung


Veranstaltungen am 8. März

Zu Lesung, Gespräch & Musik laden in den Ratssaal das Frauenbüro der Stadt Mainz und der DGB; es liest Claudia Pinl:»Das Biedermeier-Komplott. Wie Neokonservative Deutschland retten wollen« Musikalische Begleitung der Veranstaltung: Veronika Todorova, Akkordeon, Beginn: 10.30 Uhr mit einem Willkommensgetränk; Eintritt frei,
Anmeldungen bitte an:
Frauenbüro der Stadt Mainz
Rathaus
Jockel-Fuchs-Platz 1
55116 Mainz
Telefon 06131 - 122175
Telefax 06131 - 122707
E-Mail: frauenbuero@stadt.mainz.de

CRB Haus Burgund in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Mainz e.V. und der Stadt Mainz laden um 18 Uhr ins Valencia-Zimmer (Rathaus) ein zu einem Vortrag von Suzanne Bohn: »Kiki de Montparnasse«. Eintritt frei.
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Gedenktag

Weg mit alten Zöpfen:

Was soll der Internationale Frauentag?



Alle Jahre wieder führen wir in der MAINZER-Redaktion die gleiche Diskussion: Widmen wir uns dem 8. März und wenn ja wie? Die Argumente verändern sich – entsprechend der jeweiligen gesellschaftlichen Debatten und vor allem dem Alter der jeweiligen Mitarbeiter- Innen (das ist tatsächlich wichtiger, als das Geschlecht!). Im Ergebnis können wir uns nie einigen, deshalb präsentieren wir in diesem Jahr einen Ausschnitt unserer internen Diskussion als Pro und Contra.

Feminismus? Brauch kein Mensch!

Der internationale Frauentag: Im globalen Kalender eingetragenes Fanal der Emanzipation, weltweit erkennbares Stoppschild für Machos und Patriarchen, Symbol für alle Errungenschaften im Kampf für Gleichberechtigung. Aber haben sich diese jahrzehntelangen Anstrengungen wirklich gelohnt? Ist es nicht vielmehr so, dass die aktuelle Generation der Doppel- X-Chromosomenträgerinnen auf viele, der so hart ergatterten Feminismusfreiheiten gar keinen Wert Symbol Mann mehr legt? Während selbst männliche Staatsdiener in ihren Reden stets politisch korrekt von »Bürgerinnen und Bürgern« sprechen, heißt es z. B. auf dem Campus der Uni meist: »Ich bin Student« - egal ob es sich dabei um eine Bürgerin handelt oder einen Bürger. Mehr noch: Ein Blick zurück auf die jüngste Vergangenheit zeigt, dass betont auf dumm-naiv getrimmte Weibchen wie Verona »da werden sie geholfen« Feldbusch- Pooth oder Britney »ohne Höschen, außer Rand und Band« Spears deutlich mehr jugendliche Anhängerinnen finden, als etwa eine Alice Schwarzer oder Sybille Plogstedt (Gründerinnen der feministischen Magazine »Emma« bzw. »Courage«; d. Red.). Doch die Ignoranz des eigenen Nachwuchses ist nur die eine Seite. Die andere ist, dass in einigen Bereichen die Emanzipationsschraube schlicht und einfach überdreht worden ist. Beispiel Frauenquote im Sportjournalismus: Um den Reporterpool mit dem ideologisch, vorgeschriebenen (nicht aber fachlich begründeten) Damenanteil zu bestücken, vergeben die TV- und Radiosender einige der normalerweise so hart umkämpften Mikrofonplätze einfach so an weibliche Kommentatoren. Was dabei herauskommt? Nun, ein fast schon legendäres Beispiel ist die verbale Blutgrätsche der ehemaligen Sportstudio-Moderatorin Carmen Thomas, die Anfang der 70er aus Schalke 04 schlicht und einfach Schalke 05 machte und damit die männlichen UND weiblichen Fans des Gelsenkirchener Fußballbundesligisten fast in den Wahnsinn trieb. Geradezu grotesk aber wird der Gleichberechtigungsgedanke beim Blick auf den Job einer Frauenbeauftragten. Nicht nur, dass Mann sich dadurch sogar diskriminiert vorkommen darf und das gleich doppelt (denn 1. gibt es solch einen Posten für IHN nicht und 2. darf er sich nicht einmal dafür bewerben) rein theoretisch könnte er sogar dagegen klagen. Denn in dem – auch von der Frauenbewegung gepuschten – Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz heißt es unter anderem, dass niemand wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden darf. Praktisch allerdings hat der Gesetzgeber dem sicherheitshalber einen Riegel vorgeschoben. Ein Riegel der funktioniert, wie mehrere – gerichtlich – gescheiterte Männerversuche beweisen. Besser oder sinnvoller macht das die Geschichte aber auch nicht gerade. Im Gegenteil …

Mario Bast



Frau = Familie. Sonst noch was?

Eigentlich brauchen wir keine Frauenpolitik mehr, wir haben ja die Familienpolitik. In der sind alle Belange der Frauen eingebunden. Ganz weit vorne: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Endlich müssen Frauen nicht mehr mit Blick auf die Erfüllung ihrer Berufsträume, ihre Kinderwünsche hintanstellen. Oder umgekehrt. Endlich müssen sich auch Männer nicht mehr quälen mit der Frage, ob sie lieber zu Hause wickeln oder in der Firma die nächste Karrieresprosse ins Auge fassen. So ganz nebenbei erübrigt sich für Männer damit auch ihre noch jungfräuliche Fähigkeit, in Männergruppen und –netzwerken ihre Ansprüche gegen Frauen durchzusetzen. Die Notwendigkeit von »Männerhäusern« als Zufluchtsorte für das gepiesackte Geschlecht, erledigt sich mit der Familienpolitik quasi von selbst, denn es herrscht »Friede, Freude, Eierkuchen« im trauten Heim. Alles zum Wohle der Kinder (und das liegt uns in der Tat am Herzen!). Wie – Sie wollen gar keine Kinder? Sie wollen für den Fortbestand unserer deutschen Sozialversicherungssysteme keine Opfer bringen? Symbol Frau Sie meinen es gibt weltweit genug Kinder, denen es am Notwendigsten mangelt? Außerdem streiten sie statt für mehr Eltern- und Kindergeld lieber für: gleiche Arbeit = gleicher Lohn? Ihnen langt eine (kinderlose!) Bundeskanzlerin nicht als Beleg, dass in Deutschland Frauen in Führungspositionen gern gesehen sind? Und der Aufstieg der siebenfachen Mutter Ursula von der Leyen zur Bundesfamilienministerin heißt noch lange nicht, dass alle Frauen nach Durchleben der Mutterrolle immer noch beruflich Karriere machen können? Sie meinen, Frauenbeauftragte, die korrekterweise vielerorts Gleichstellungsbeauftragte heißen (und dann sogar als Männer daher kommen können) sind immer noch nicht überflüssig? Sie meinen zwar auch, dass Frauen nicht einparken können, aber statt noch mehr Fahrstunden möchten Sie dem weiblichen Geschlecht mehr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen verordnen? Sie können sich nicht vorstellen, dass das alles mit Familienpolitik erreicht wird? Recht haben Sie! Frauenpolitik muss immer noch sein. Auch wenn das nur noch einmal im Jahr ganz deutlich gesagt werden darf!


Marion Diehl