Heft 209 Februar 2008
Infos


öffnungszeiten:
Di.–So. 11–17 Uhr
Eintrittspreise:
Erwachsene: 1,50 €,
Gruppenermäßigung
ab 5 Personen 1,00 € p. P.,
Ermäßigt: 1,00 €,
Kinder bis 14 Jahre: 0,50 €,
Schulklassen: frei (nach Terminabsprache)
www.mainzer-fastnachtsmuseum.de

HINWEIS:
Die Ausstellung
»Der Narr – König der verkehrten Welt«
im Landesmuseum Mainz ist noch bis 6. Februar
zu sehen: www.landesmuseum-mainz.de
Werbung




Museum

Nicht nur zur »fünften Jahreszeit«:

Närrischer Frohsinn

Riesenzugplakettscher am Eingang zum Museum Närrische Zeiten Fastnacht – das gehört zu Mainz wie die Musik zum Handkäs oder die Schwellköpp zum Rosenmontagszug. Doch was machen eigentlich die Schwellköpp an all den anderen Tagen im Jahr? Anstatt in irgendwelchen Kellerräumen sehnsüchtig auf die nächste Kampagne zu warten, stehen einige der imposanten Symbolfiguren der Mainzer Fastnacht im Mainzer Fastnachtsmuseum – denn hier ist das ganze Jahr über »die fünfte Jahreszeit« in vollem Gange. Zwar schallt einem beim Betreten des Museums nicht sofort der Narhalla- marsch entgegen und beim Kauf der Eintrittskarte wird einem auch kein dreifach donnerndes Helau abverlangt – närrischer Frohsinn herrscht in den Räumen unterhalb des Deutschen Kabarettarchives aber allemal. Und das bereits seit Juni 2004: seitdem befindet sich das Fastnachtsmuseum im Untergeschoss des Proviantmagazins und hat es sich zur Aufgabe gemacht Historisches, Närrisches und Wissenswertes rund um die Mainzer Fastnacht seinen Besuchern näher zu bringen. Ein Rundgang durch die verschiedenen Epochen zeigt, Beate Popp, Leiterin des Mainzer Fastnachtsmuseums wie lange die Fastnacht bereits fester Bestandteil der Mainzer Stadtgeschichte ist und wie sich das närrische Treiben im Laufe der Zeit gewandelt hat. Dazu Beate Popp, Leiterin des Mainzer Fastnachtsmuseums: »Erstmals erwähnt wurde die Mainzer Fastnacht bereits 1495. Aber so wie wir die Fastnacht heute kennen, mit Garden, Korporationen und Umzügen, existiert sie hier in Mainz seit 1837.« Exponate aus den Anfängen der Mainzer Fastnacht dürfen da natürlich auf keinen Fall fehlen: So ist das Museum beispielsweise besonders stolz auf einen Karneval-Almanach von 1839 oder prächtige Zeremonienstäbe aus dem Jahr 1884. Untergebracht sind diese Ausstellungsstücke in Vitrinen und anschaulichen Schaukästen mit verschiedenen Schubladen, so dass der Besucher selbst auf karnevalistische Entdeckungstour gehen kann. Für die nötigen historischen Hintergrundinformationen sorgen dabei große »Stoffgardinen«, die hinter den Schaukästen angebracht sind und auf denen alles Wissenswerte noch einmal kurz zusammengefasst ist.

Weiter geht die historische Reise durch die Mainzer Fastnacht dann unter dem Motto: »Die Fastnacht zwischen und während den Weltkriegen«. Auf Großleinwand sind hier beispielsweise Bilder von Rosenmontagszügen während des Nationalsozialismus zu sehen. Dazu meint Popp nachdenklich: »Diese Bilder sind schon sehr bedrückend, wenn man überall die Hakenkreuzflaggen sieht. Und so richtig mit Fastnacht hatten diese Umzüge auch nichts mehr zu tun. Da läuft es einem eher kalt den Rücken runter.«

Bonewitz Mehr Fastnachtsstimmung versprüht hingegen die nächste Station des Museum, wo man sich auf die Spuren der Fernsehfastnacht begeben kann. Auf mehreren Bildschirmen bekommt der Besucher hier die Bonbons aus über 50 Jahren Fernsehfastnacht zu sehen. Dabei kann er wählen, ob er sich lieber das Beste aus dem Bereich »Kokolores« oder doch eher die witzigsten Beiträge der politisch-literarischen Fastnacht zu Gemüte führen möchte.

Die absoluten Highlights des Museums befinden sich allerdings im großen Eingangsbereich: hier findet man unter anderem die Originalschürze von Ernst Neger oder die passende Stoffgans zu Bonewitz’ »Heile Gänsje-Parodien«. Und weil feiern zur Fastnacht gehört wie die Schwellköpp nach Mainz ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der große Eingangsbereich für Betriebsfeiern oder Geburtstage genutzt werden kann. Bei närrischen Jubiläen ist hier außerdem Platz für Wechselausstellungen der jeweiligen Korporationen. In diesem Zusammenhang darf natürlich auch die obligatorische Bütt Eulen Bütte nicht fehlen: Fassrund und mit einer großen Eule an der Vorderseite steht diese symbolisch für zwei wichtige Elemente der Fastnacht, so Popp: »Die Bütt, die ja sehr stark an ein Fass erinnert, steht für den griechischen Philosophen Diogenes, der in einer Tonne lebte und von dort aus frei seine Meinung äußern konnte. Die Eule ist wiederum das Tier der Pallas Athene, der griechischen Göttin der Weisheit.« Fazit: frei und weise soll er sein, der Narr. Wer hätte gedacht, dass Fastnacht so tiefgründig sein kann?


Katrin Henrich