Heft 209 Februar 2008
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Kunst

Kunst

»Zu den Quellen«

Blick auf Mainz von der Reduit - Aquarell - Rita Kretschmer
Aquarelle von Rita Kretschmer

Immer wenn die Fastnacht aus dem Finther Bürgerhaus auszieht, können 14 Tage später die Mitglieder der Gruppe ad fontes diesen Ort nutzen. Das andere »Kulturgut«, Bilder, Plastiken und Kunsthandwerk macht den großen und kleinen Saal des Bürgerhauses zu einem »Musentempel«. In diesem Jahr sind hier 24 Aussteller darunter auch mehrere Gäste vom 22. bis 24. Februar zu sehen. Zur Vernissage am Freitag, den 22. Februar um 19 Uhr musiziert Portrait - Aquarell - Rita Kretschmer Professor Mazurowicz (Frankfurt). An den beiden anderen Tagen ist die Ausstellung von 11-18 Uhr geöffnet. Gegründet hat sich die Gruppe 1986. Die Namensgebung lehnt sich an die lateinische Wurzel des Ortsnamen Finthen: ad fontes (zu den Quellen) an. An weiteren Mitgliedern und Gastausstellern (u.a. für 2009) ist die Gruppe ad fontes interessiert (06131/474846).



»Kunst direkt«

rheinland-pfälzische Künstlermesse »Kunst direkt« in der neu erweiterten Rheingoldhalle Die rheinland-pfälzische Künstlermesse »Kunst direkt« findet vom 15. bis 17. Februar erstmals in der neu erweiterten Rheingoldhalle statt. Die hellen und lichtdurchfluteten Foyerflächen bieten eine optimale Ausstellungsfläche zur Präsentation der Kunstwerke. Mit der Organisation und Durchführung der Messe wurde bereits zum dritten Mal vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur die Congress Centrum Mainz GmbH (CCM) beauftragt. Weitere wirtschaftliche Träger, neben der CCM und dem Ministerium, ist die rheinland-pfälzische Kulturstiftung. Ideeller Träger ist der Berufsverband Bildender Künstler (BBK). Erwartet werden bis zu 170 ausstellende Künstlerinnen und Künstler aus Rheinland-Pfalz und den Partnerländern. Die Messe wird an allen drei Tagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein. Zusätzlich werden besondere Führungen für Schulklassen nach Terminvereinbarung organisiert. Neu in diesem Jahr ist die Kinderkarte für 5,-€ für alle sieben- bis 18-Jährigen. Daneben gibt es ein pädagogisch betreutes Kinderprogramm. Tageskarten zu 9,50 €, ermäßigt zu 8,-€ werden direkt an der Ausstellungskasse verkauft. Weitere Informationen auch unter: www.kunst-direkt.rlp.de



Kunsthallen-Leiterin Natalie de Ligt will:

»Die Gegenwartskunst im Bewusstsein verankern«

Am 1. März wird die erste Ausstellung in der ersten Mainzer Kunsthalle eröffnet. Natalie de Ligt, die künstlerische Leiterin der Kunsthalle hat in den Wochen vor der Premiere alle Hände voll zu tun und nahm sich trotzdem die Zeit, dem MAINZER ihre Arbeit zu erklären.

fragezeichen »National und international relevante Positionen im Dialog mit regionalen künstlerischen Potenzialen werden unter ihrer Leitung zu einem Markenzeichen der Mainzer Kunsthalle werden« so wurden Sie, Frau de Ligt, als Leiterin der Mainzer Kunsthalle vorgestellt. Wie wollen Sie alle diese Komponenten in den Ausstellungen umsetzen?

Natalie de Ligt, Leiterin der Mainzer Kunsthalle Natalie de Ligt: »Ich verstehe das als Ziel der Kunsthalle, das sich in der praktischen Umsetzung wiederfindet, wobei: Die Priorität ist nicht, woher kommt ein Künstler, sondern taugt er was! Gute Künstler gibt es überall, auch im Rhein-Main-Gebiet. Sie zu finden, ist die Aufgabe. Dazu muss ich mir ganz viel Kunst anschauen, die Künstler besuchen, mit ihnen sprechen, um herauszufinden, was sie bewegt, um zu erkennen, ob ihre Kunst nur private Dinge transportiert, ob ausschließlich marktstrategische Gründe dahinter stecken oder ob das Werk eine Sicht von Welt, ein Stück Leben enthält. Die Zahl der Künstler hat sich verdreifacht, es gibt ein Boom an Kunstmessen, an Bienalen meine Aufgabe ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das Kunstwerk muss mir etwas über die mentale und emotionale Spannbreite, die eine Gesellschaft bewegt, vermitteln. Wenn wir Kunst in der historischen Rückschau betrachten, erkennen wir, dass die großen Themen, wie Geburt, Liebe, Tod immer wiederkehren. Das muss im Werk erkennbar sein wobei ein einzelner Blick dazu nicht ausreicht, ich muss meine Reaktionen auf Werke und auf Künstler im Laufe der Zeit immer wieder überprüfen, um festzustellen, wo ist das Werk und wo ist der Künstler, der die Zeit überdauert. Ich frage mich dabei immer, welches Kunstwerk würde ich gerne mit nach Hause nehmen oder auch, welches Kunstwerk taugt in 30 Jahren noch etwas.«

Natalie de Ligt, Leiterin der Mainzer Kunsthalle Kunst ist Geschmackssache, lautet ein geflügeltes Wort « Nein, das stimmt nicht! Kunst ist keine Geschmackssache! Kunstwerke beinhalten eine Aussage, eine Erfahrung des Künstlers, sie enthalten ein kulturelles Vermächtnis das hat nichts mit Geschmack zu tun. Ich muss mich damit anders auseinandersetzen, als beispielsweise mit der Frage, ob mir dieser Kaffee hier schmeckt. Eine Ausstellung muss niemandem gefallen, es geht für die Besucher darum, eine Erkenntnis zu gewinnen, deshalb lautet die Frage eher: bringt mir diese Kunst etwas? Das setzt Neugier und Offenheit auf Seiten der Betrachter voraus, auch das Publikum muss seine Reaktion auf die Werke überprüfen: Eine Kunsthalle ist kein Supermarkt, es ist ein Ort, an dem ich mich auseinandersetzen will ähnlich wie im Theater.«

fragezeichen Mit dem Kuratorium sind Ihnen prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an die Seite gestellt worden: wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

de Ligt: Antwort»Die Mitglieder leisten ideelle und tatkräftige Unterstützung, sie erfüllen der Ausstellungsleitung auch Wünsche: ein Mitglied leiht uns zwei Objekte, an die wir sonst nicht herangekommen wären, ein anderes Kuratoriumsmitglied wird ein Künstlergespräch moderieren.«

fragezeichen Sind Sie in Mainz »angekommen«?

de Ligt: »Es gibt viele wichtige und schöne Orte hier, das unterhaus gefällt mir sehr gut! Es ist erstaunlich, wie man Menschen auf intelligente Art zum Lachen bringen kann. Auch das Cine Mayence ist ein sehr guter, ein wichtiger Ort, oder Pengland und der Hafengarten. Im Unterschied zu den zurückhaltenden Franken empfinde ich die Menschen hier als ein fröhliches Völkchen.«

SoS


»Alle Zeit der Welt«

de Ligt:»Künstler kommunizieren über die Bildsprache«

Fotografie von Angela Fensch »Alle Zeit der Welt« so lautet der Titel für die erste Ausstellung in der Mainzer Kunsthalle. Zehn Künstler mit Langzeitprojekten werden vorgestellt, das heißt Künstler, die sich lange, wenn auch unterschiedlich lange Zeit mit dem gleichen Projekt in ihrem Lebens- und Arbeitsalltag beschäftigt haben. Als Beispiel nennt Natalie de Ligt die schwarz-weiß Fotografien von Nicolas Nixen: seit 1975 fotografiert der Amerikaner vier Schwestern (eine der Schwestern wurde in dieser Zeit seine Frau), dokumentiert die Veränderungen ihrer Physiognomie. »Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Zeit sich in diese Gesichter eingeprägt hat«, so de Ligt. Andere fotografische Positionen werden von Christian Borchert und Angela Fensch präsentiert. Beide stammen aus der ehemaligen DDR. Vor der Wende fotografierte Fensch Mitte der 80er Frauen mit ihren Kindern in ihrem häuslichen Umfeld; erstaunlicherweise inszenierten die Frauen sich dabei weniger als Mutter, denn als erotische Wesen, so de Ligt. 15 Jahre später fotografierte Fensch die Frauen mit ihren Kindern noch einmal, wobei sie ihre Erotik nicht mehr in Szene setzen wollten. Christian Borchert, der in 2000 bei einem Badeunfall ums Leben kam, porträtierte Anfang der 80er Familien in der DDR und zeigt sie auf ihren schwarz-weiß Fotos zehn Jahre später noch einmal in den gleichen Räumen. »Man kann die Veränderungen durch die Wende teilweise schon am Interieur erkennen«, meint de Ligt und wertet diese Dokumentation als ein »unglaubliches Stück deutscher Geschichte«.

Fotografie von Angela Fensch Als Teil eines Langzeitprojekts zeigt die Ausstellung ein Gemälde von Michael Frantz: der Künstler hat die Erlebnisse der Figur des Malers Franz Schildknecht in der Serie »Lindenstraße« in einem Film zusammen geschnitten, in diesem Film werden Gemälde gezeigt, die wiederum Michael Frantz (im realen Leben) bei befreundeten Künstlern zum Nachmalen in Auftrag gab eines davon zeigt die Ausstellung.

Trabanten so werden die »spezial guests« der Ausstellung genannt, die sozusagen die kompakte Gruppenausstellung umrunden, in dem sie in speziellen Räumen ihre Werke präsentieren. Heike Aumüller (Karlsruhe) bespielt mit Fotografien die dritte Turmebene, jene besondere Räumlichkeit im 7 Grad geneigten Turm mit großem Panoramafenster, mit viel Licht und Außenbeziehung. Iris Kettner (Berlin) platziert ihre Figur im alten Akkumulatorenturm der für Besucher nicht zu betreten, in den hineinschauen aber über einen Balkon möglich ist.

fragezeichen Umfangreich ist das Programm, das den Besuchern die Welt der Ausstellung nahe bringen soll: vier öffentliche Führungen pro Woche, spezielle Führungen für Kinder (und Schulklassen!), »Künstlergespräche« in denen die Künstler ihr Werk selbst vorstellen, Infomaterial wird ausliegen aber: »Wir werden die Werke nicht erklären«, unterstreicht Natalie de Ligt und ergänzt: »Ein Kunstwerk kann man nie erklären, nur erzählen.« Das Werk so fügt sie an, kommt von Künstlern, die unter uns leben, die heute hier leben Kunst in ihrer Zeit, die nur der Künstler selbst erklären kann. »Ich gehe auch nicht zum Zahnarzt und ziehe mir, nach entsprechender Erläuterung dieses Experten den Zahn selbst übertragen auf unsere Funktion als Vermittler bedeutet das, wir sind eine Zwischeninstanz, wir bringen Werk und Künstler zusammen.« Kommunizieren müssten Betrachter und Künstler. Vor allem über und durch das Werk.

fragezeichen Am Eröffnungswochenende wird »Alle Zeit der Welt« samstags von 10-22 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet sein; Führungen und Livemusik gehören zum Programm.
Das detaillierte Programm, Infos zu Eintrittspreisen und öffnungszeiten ist ab Anfang Februar unter www.kunsthalle-mainz.de zu finden.