Heft 209 Februar 2008
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Sport

Der Aufprall ist hart, aber:

Das Gefühl übertrifft alles


Klippenspringerin Anna Bader Wer hat es sich nicht schon so vorgestellt: Die Wellen des Meeres brechen an den Felswänden, die gut und gern eine Mindesthöhe von 15 Metern haben. Dann werden die Arme ausgebreitet und man springt ins angenehm kühle Nass. Für manche ist das ein einmaliges Abenteuer, aber für Anna Bader ist es eine Leidenschaft. Die 24-jährige Studentin ist zweifache Europameisterin im Klippenspringen.
»Ich habe die Höhe immer geliebt und wurde nicht überängstlich erzogen. Meine Eltern sagten mir nie »Mach das nicht, dass ist zu gefährlich«. Aber natürlich war es keine bewusste Entscheidung mit dem Klippenspringen anzufangen«, erklärt Bader. Alles begann während eines Urlaubs in Jamaika. Dort gab es eine Klippe, von der viele Touristen springen konnten und auch Anna traute sich. Als die Einheimischen Springer Anna sahen, waren sie begeistert. »Sie meinten, ich könnte das echt gut und sollte das weiter verfolgen. Es hat mir auch irrsinnig viel Spaß gemacht.« Doch Anna war kein bloßes Naturtalent: Schon als Kind fing sie mit Kunstturnen an und wechselte dann mit dreizehn zum Turmspringen. Darin war sie sogar so gut, dass sie es in die Nationalmannschaft schaffte.
»Ich profitiere wirklich von meinen Erfahrungen vom Kunstturnen und Turmspringen. Es gibt zwischen Turm- und Klippenspringen sehr viele Gemeinsamkeiten, denn der Ablauf der Bewegung ist ähnlich.« Da Klippen aber in Mainz und Umgebung nicht gerade häufig vorkommen, trainiert Anna Bader oft in der Schweiz bei Freunden. Einzelne Elemente ihrer Sprungfolge übt sie jedoch vorher in einer Turnhalle oder im Schwimmbad. »Ich würde nie einen Sprung machen, von dem ich nicht hundertprozentig überzeugt bin. Ich muss mir den Ablauf genau vorstellen können, denn ein Fehler in der Bewegung kann böse enden.« Wie sich so ein böses Ende anfühlt, hat sie schon am eigenen Leib gespürt. Bei einem Sprung schätzte sie die Entfernung falsch ein und prallte mit dem Rücken auf. Die Folge: Prellungen und blaue Flecken.
Doch auch ohne schlechte Erfahrungen springt die Angst immer mit. »Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nicht fürchte. Aber die Angst ist mein Schutz davor, leichtsinnig zu werden. Sie hilft mir also in gewisser Weise mich besser zu konzentrieren«, erklärt Bader und fährt fort: »Doch es geht ja auch darum ängste zu überwinden. Denn das Gefühl beim Sprung übertrifft einfach alles. Es ist eine so bewusste und schöne Erfahrung.«
Klippenspringerin beim Klippenspringen So ähnlich wird es wahrscheinlich auch den ca.300 anderen Klippenspringern weltweit gehen. Allerdings: Obwohl der Sport einen großen Reiz ausübt, traten bei der letzten Europameisterschaft gerade Mal drei Frauen an. Anna Bader Klippenspringer gibt. Deswegen werde ich, wenn alles wie geplant läuft, auch beim nächsten Weltcup bei den Männern antreten. Vielleicht kann ich so darauf aufmerksam machen, dass wir einen Frauenmangel haben«, meint Anna lächelnd. Ein möglicher Grund, warum Klippenspringen vor allem Frauen abschreckt, könnte der harte Aufprall auf das Wasser sein. Der ist bei einem Sprung aus 28 Metern nämlich neunmal härter als beim Sprung vom Zehnmeter-Turm. »Um den Aufprall abzumildern, spannt man alle Muskeln an und macht einen »Barani«. Das ist eine halbe Schraube, der die Drehung stoppen soll.«
Doch die 24-jährige Studentin beschränkt sich nicht nur aufs Klippenspringen. Ihr größter Traum ist es, beim »Cirque du Soleil« mitzuwirken. Der weltberühmte Zirkus hat drei feste Shows und Annas Favorit ist die »O-Show«. Diese Show verbindet Kunstturnen, Artistik und auch Turmspringen. »Leider ist es sehr schwer, in die engere Auswahl zu kommen. Aber ich werde mal meine Bewerbung abschicken und sehen was passiert. Wenn sie mich nehmen, wäre das natürlich super.« Allerdings hat Anna Bader bestimmt auch schon vorher die Möglichkeit aufzutreten. Sie hat mit Friederike Arlt und Claudia Janssen, beide Kunstturnerinnen, eine Showgruppe gegründet. »Wir wollen Musik, Tanz, Akrobatik und ein bisschen Schauspiel miteinander verbinden«, so Bader. Buchen kann man die Gruppe, die sich »FACE-legance« nennt, ab Februar unter www.facelegance.de.
Infos:
http://www.annabader.de oder www.whdf.de


Vanessa Bast