Heft 208 Januar 2008
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Sport-Satire

Die Nullfünfer machen »eine Sause«

Die Minigolfer gewinnen mit »Handkäs«


Aufstiegsfeiern und Abstiegstränen, Meisterjubel und lange Gesichter der Enttäuschung – Das Mainzer Sportjahr 2007 hatte so ziemlich alles zu bieten, was die große Schublade der Emotionen überhaupt herzugeben hat. Doch was bringen die kommenden zwölf Monate? Der MAINZER hat einen kleinen Blick in die athletische Kristallkugel geworfen und einen Sportkalender zusammengestellt, der natürlich nicht vollständig sein kann und dazu auch nicht allzu erst genommen werden sollte.

JANUAR


Kollektives Aufatmen rund um den Bruchweg: Jürgen Klopp bleibt Trainer von Fußball-Zweitligist Mainz 05. Mehr noch: Der Coach verlängert seinen Vertrag um gleich zehn (!) Jahre. »Angebote gab es zur Genüge, aber ich bin noch jung, meine Arbeit in Mainz ist noch lange nicht zu Ende und außerdem mag ich keinen Fisch«, so Klopp auf die Frage nach dem Warum.

FEBRUAR


05-Trainer Jürgen Klopp Die fünfte Jahreszeit und ihre Folgen. Die Unterschrift auf dem neuen Vertrag von Trainer Jürgen Klopp ist noch nicht einmal richtig trocken, da geht seine Mannschaft im ersten Rückrundenspiel bei der TuS in Koblenz mit 0:8 unter. »Wir durften schon seit Jahren nicht mehr auf den Rosenmontagszug gehen, da haben wir dieses Mal den Fassenachts-Samstag für ΄ne kleine Sause genutzt. Sorry«, gesteht 05-Kapitän Dimo Wache danach zerknirscht. Die anschließende Kopfwäsche zeigt gleich doppelt Wirkung. Zum einen läuft das Team das nächste Mal als »Elf der Blondschöpfe« auf, zum anderen war die Pleite in Koblenz die letzte Saisonniederlage. Ebenfalls im närrischen Treiben entdeckt: überall-Stadionsprecher Klaus Hafner, verkleidet als Frau. Was das mit Sport zu tun hat? Die Antwort gibt’s im April.

Ringer-Trainer Baris Baglan

MäRZ


Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt 2007 bastelt Ringerbundesligist ASV Mainz 88 am Kader für die neue Saison. Verstärkungen müssen her, soll der Weg weiter nach oben führen und Trainer Baris Baglan überrascht dabei mit einer ganz besonderen Idee: »Ich denke da an unseren Ministerpräsidenten. Als politisches Schwergewicht wäre er die Idealbesetzung für die 120 Kilo Klasse.« Doch Kurt Beck winkt ab. »Der Vorschlag ehrt mich, aber mir reichen die Ringkämpfe im Landtag und als SPD-Chef in Berlin.«

APRIL


Stadionsprecher Klaus Hafner Das andauernde Verletzungspech sorgt dafür, dass die Basketball-Damen des ASC Theresianum Mainz vor den anstehenden Playoffs um den Aufstieg in die erste Bundesliga noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden. Es kommt die kasachische Nationalspielerin Hafna Klausovic, knapp zwei Meter groß, gertenschlank und mit einem imposanten Damenbart ausgestattet. Merkwürdig: Gleichzeitig wechselt der Hallensprecher. Offizielle Begründung: Klaus Hafner würde daran arbeiten, dass die Wirkung seiner Diät von Dauer ist und habe deshalb keine Zeit mehr.

MAI


Es ist vollbracht: Mit einem 9:1 Auswärtssieg beim 1. FC Köln macht der 1. FSV Mainz 05 den sofortigen Wiederaufstieg in die erste Fußballbundesliga bereits einen Spieltag vor Saisonende perfekt. Zum Rundenhalali einigt man sich deshalb mit dem FC St. Pauli darauf, die Punkte am Tresen auszukämpfen. Am Ende eines packenden Duells steht es Unentschieden 110:110 – Liter Bier natürlich.

JUNI


Es ist vollbracht, Teil 2: Auch die Basketballdamen des ASC Theresianum schaffen die sofortige Rückkehr in Liga eins. Allen voran ein Verdienst der kasachischen Nationalspielerin Hafna Klausovic, die im Schnitt 30 Punkte pro Spiel zum Aufstieg beisteuern konnte. Merkwürdig: Direkt nach dem Sieg im Playoff-Finale ist die Top-Scorerin verschwunden. Ebenso merkwürdig: Die Aufstiegsfete wird wieder von Klaus Hafner moderiert.

JULI


Was der FC Bayern München im Fußball, ist der 1. MGC Mainz im Minigolf: Sowohl das Damen-, als auch das Herrenteam wird Deutscher Meister. Dabei profitieren die MGC-Cracks allerdings von einer zu Saisonbeginn eingeführten Regeländerung, nach der ab sofort die jeweilige Heimmannschaft das Material des Spielballes bestimmen darf. »Und unsere Handkäs-Variante hat den meisten wohl kräftig gestunken«, schmunzelt Vorstand Bernd Szablikowski über den MGC-Coup.

AUGUST


Ganz Mainz ist im Olympiafieber: überlegen, mit mehr als fünf Minuten Vorsprung, gewinnt Langstreckenschwimmerin Angela Maurer von der SG EWR Rheinhessen das zehn Kilometerrennen der Frauen. Platz drei ihres Teamkollegen Christian Hein über die gleiche Distanz bei den Männern machte das SG-Glück komplett. »Heute hat die ganze Stadt Schwimmhäute an«, jubelt ein sichtlich euphorisierter Oberbürgermeister Jens Beutel. Ein Spruch, der nur kurze Zeit später den Rücken des Erdalfroschs ziert.

Radballer

SEPTEMBER


Da in diesem Jahr keine Weltmeisterschaft ansteht, wagen die amtierenden Radball-Champions Thomas Abel und Christian Heß vom RV Mainz-Hechtsheim einen sportlichen »Seitensprung« zum Tennis. Und siehe da: Mit einer Wildcard ausgestattet erreichen die beiden Mainzer auf Anhieb das Doppel-Achtelfinale bei den US Open. Dann der Schock: Das Hechtsheimer Duo wird disqualifiziert. Offizielle Begründung: Die Reifen ihrer Räder würden schwarze Streifen auf dem Centrecourt hinterlassen und die Linienrichter dadurch irritiert.

OKTOBER


Doppelter Jubel bei den Mainz Athletics: Zuerst gelingt es den Baseballern, ihren Deutschen Meistertitel zu verteidigen. Kurz danach folgt die Grundsteinlegung für ihr neues Zuhause, die »Stadtwerke-Arena« mitten im Gonsbachtal. Und das stadteigene Unternehmen legt sogar noch einen drauf und stellt den Sportlern einen neuen Mannschaftsbus zur Verfügung, die Linie »A«.

Karl Kardinal Lehmann

NOVEMBER


ENDLICH – Die Stadionfrage ist beantwortet, Karl Kardinal Lehmann sei Dank. Dessen ebenso einfache wie geniale Idee: Er kauft den widerspenstigen Landbesitzern die restlichen Grundstücke am Europakreisel ab, um dort den Dom hinversetzen zu lassen. Auf dem so frei gewordenen Platz in der Innenstadt wird im Anschluss die Coface-Arena errichtet. »Absolut genial«, freut sich 05-Manager Christian Heidel. »Dann haben wir es auch nicht so weit zum Theaterbalkon zum Feiern.«

Meenzer Huhn Jörg Dietrich

DEZEMBER


Das Meenzer Huhn ist wieder da, wenn auch in anderer Rolle – Jörg Dietrich, einst gefiedertes Maskottchen am Bruchweg, steht ab sofort für Ringerbundesligist ASV Mainz 88 auf der Matte. »Nach der Absage von Kurt Beck, brauchten wir für die anstehenden Playoffs dringend noch einen ‚schweren Jungen’«, erklärt ASV-Coach Baris Baglan. »Und Jörg hat uns mit seinem Willen, Gewicht zu machen, absolut überzeugt.« Zuvor war es Dietrich gelungen, sich innerhalb von nur drei Wochen und allein mit Hilfe von Weihnachtsplätzchen und Glühwein von einem mickrigen Hähnchen in einen Mast-Gänserich zu verwandeln.

Mario Bast