Heft 208 Januar 2008
Werbung


Mogunzius


Mogunzius

Spüren Sie auch diese gähnende Leere? Weihnachten und Neujahr sind vorbei jetzt droht ein kurzer vierwöchiger Fastnachtsflash mit der kürzesten Kampagne seit Narrengedenken. Und erst der »Konsens von Mainz«! Der ist für 2008 endgültig vom Tisch. Aus und Basta mit dem politischen Bündnis, das jahrelang Entscheidungen im Stadtrat zementiert hat.

Doch mit dem Votum, eine Dezernentenstelle zu streichen, krachte es im »Mainzer Modell light«, und nicht zuletzt die SPD packte die verbale Keule aus, um sich bei der CDU für diesen Vorstoß zu bedanken und sie im Fußballerjargon eines »bösen Fouls« zu bezichtigen. Dass sich ausgerechnet die Republikaner an die Aktion im Stadtrat dranhängten und die Mehrheit für die personelle Reduzierung des Stadtvorstands mit stützten, war ein mehr als bitterer Beigeschmack.

Doch blicken wir ins neue Jahr ohne »Konsens«, aber mit neuem doppelten Dezernenten. In der Tat kommt auf Kurt Merkator ein Mammutjob zu: Einerseits als Finanzdezernent unbedingt Geld sparen zu müssen, andererseits als neuer Sozialdezernent den Begehrlichkeiten vieler Sozialinitiativen ausgesetzt zu sein. Der SPD-Mann aus Finthen wird ein dickes Fell brauchen, hat aber den unbestrittenen Vorteil des Stallgeruchs und der Intimkenntnis des Stadtvorstands so etwas hilft in schwierigen Zeiten immer.

2008 wird das Jahr der architektonischen Stadtrenovierung werden. Am Südbahnhof und am Markt werden neue Projekte eingeweiht, die Mainz und ihrer Einkaufsstadt ein neues Gesicht geben. Der Brand wird konsequent weiter saniert. Was auch gut ist, weil die Konkurrenz im Kampf um Einkaufskunden sprich Städte wie Wiesbaden, Darmstadt oder Frankfurt nicht schläft. Vorläufig ausgeträumt dürften dagegen die Globus-Ansiedlungspläne sein, weil das so genannte Zentrenkonzept in seiner jetzigen Form die Innenstadt favorisiert. Ob wenigstens ein Möbelmarkt, den Mainz dringend in seinem Branchenmix gebrauchen könnte, obwohl auch er eine Bedrohung des innerstädtischen Einzelhandels wäre, eine Chance zur Ansiedlung hat, bleibt eine vage Hoffnung.

Konkreter scheint’s um die Stadionpläne zu stehen. Hier werden 2008 Nägel mit Köpfen gemacht. Fragt sich nur an welcher Stelle. Direkt im Januar ist zumindest für das Areal am Europakreisel Schicht, wenn sich die noch mauernden Grundstückseigentümer weiter nicht bewegen. Dann müssen Mainz 05 und die Stadt umdenken und eventuell das Portland-Gelände entwickeln, um tatsächlich eine neue Arena bauen zu können. Zwei unbestrittene Triebfedern hat das Projekt: Die Mannschaft spielt im Blick auf den Tabellenplatz klar für ein neues Stadion, und mit einem Kreditversicherer ist ein Unternehmen gefunden, das für und in der neuen Arena richtiges Geld in die Hand nehmen will.

Politisch wird es das Jahr der Weichenstellungen, gilt es doch eine Kommunalwahl personell und inhaltlich vorzubereiten, die alle Parteien herbeisehnen. Und zwar deshalb, weil sie hoffen, dass der Wähler diesmal für klarere Mehrheiten sorgt. Ein frommer Wunsch, denn es ist eher mit noch mehr Erosionen in der Parteienlandschaft zu rechnen, die am Ende politische Bündnisse und Kompromisse unverzichtbar machen würde.

2008 wird Klarheit bringen, was neue Hoffnungsträger in den Fraktionen angeht. Spannend wird die Frage, wer die CDU an der Spitze in die Kommunalwahl führt. Der- oder Diejenige wird dann auch zwangsläufig für die nächste Oberbürgermeisterwahl den Hut in den Ring werfen. Die SPD ihrerseits wird sich aus ihrem Personaltableau auf Landesebene bedienen, und da soll es ja Aspiranten geben, die nach einem Ausflug in die eher dröge Landespolitik wieder in den Schoß der Kommune zurückkehren möchten. Warten wir’s ab. Es bleibt munter auch ohne »Konsens«.

        Mogunzius